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Wie die M+E-Industrie auf die hohen und schwankenden Preise für Rohstoffe reagiert

 

 

Wie die M+E-Industrie auf die hohen und schwankenden Preise für Rohstoffe reagiert Mühlhausen/Erlangen/München. Zuletzt sind sie wegen des gebremsten Wirtschaftswachstums etwas gesunken. Dennoch: Die seit Anfang 2009 stark gestiegenen Preise für Rohstoffe wie Öl, Kupfer und Aluminium oder für Material wie Stahl treiben die Kosten der Industrie nach oben.

 

 

 

Zwei Drittel von 4.000 befragten deutschen Unternehmen, davon 643 in Bayern, beklagen negative Folgen fürs Geschäft. Das hat eine aktuelle Studie der Commerzbank ergeben. Weniger Gewinn bedeutet, dass weniger Geld für Investitionen in der Kasse ist.

 

 

 

Erfahrene Einkäufer sind entscheidend

 

 

 

Probleme bereiten den Betrieben auch stark schwankende Preise, weil sie die Geschäftsplanung erschweren, und kurzfristige Lieferengpässe. Treffen diese Merkmale zu, spricht man von kritischen Rohstoffen.

 

 

 

In Bayerns Metall- und Elektro-Industrie reagieren Unternehmen mit verschiedenen Rezepten auf diese Belastungen. Das reicht vom sparsamen und effizienten Materialeinsatz bis zur Wiederverwertung wertvoller Stoffe. Zudem ist für Stephan Fischer eine hellwache und erfahrene Einkaufsabteilung entscheidend. Der geschäftsführende Gesellschafter von Fischer Licht & Metall im Oberpfälzer Ort Mühlhausen verfolgt die Devise: „Wenn die Preise günstig sind, schlagen wir zu.“

 

 

 

Dann kauft das Unternehmen, das unter anderem hochwertige Lichtwerbung herstellt, auch mal einen größeren Posten Material, etwa sogenannte Strangpress-Profile aus Aluminium.

 

 

 

Doch was ist, wenn der Preis weiter sinkt, aber schon ein größerer Vorrat auf Lager ist? „Dann machen sich die langfristigen und guten Beziehungen zu unseren Kunden bezahlt“, so Fischer.

 

 

 

Die Produkte seines Unternehmens würden zum vereinbarten Betrag verkauft. Auf Nachverhandlungen mit Kunden wegen gesunkener Materialpreise lässt sich Fischer nicht ein.

Unabhängigkeit ist für den Mittelständler mit 200 Mitarbeitern die Basis für seinen wirtschaftlichen Erfolg. Weder will er sich auf einzelne Kunden oder Branchen konzentrieren noch auf ausschließlich einen Material-Lieferanten. „Wir haben grundsätzlich verschiedene Bezugsquellen“, betont Fischer. Und auch im Umgang mit ihnen heißt sein Zauberwort „Fairness“.

 

 

 

 

 

 

 

Eine ganz besondere Partnerschaft hat Siemens vereinbart:  Der Elektronik-Konzern bereitet  mit dem australischen Rohstoff-Produzenten Lynas ein Gemeinschaftsunternehmen vor. Es soll im ersten Halbjahr 2013 beginnen, Hochleistungsmagnete herzustellen.

 

 

 

 „Das ist für uns strategisch von Bedeutung, um eine langfristige und stabile Versorgung mit diesen Produkten zu sichern“, erklärt Ralf-Michael Franke, Chef der in Erlangen beheimateten Siemens-Division Antriebstechnik (Drive Technologies).

 

 

 

China beherrscht den Markt zu 95 Prozent

 

 

 

Die Magneten werden unter anderem für energieeffiziente Motoren in Schiffen und Zügen, aber auch in Werkzeugmaschinen und für Generatoren von Windkraftanlagen gebraucht. Der Bedarf ist enorm und wächst weiter.

 

 

 

Basismaterial der Magneten ist Neodym, ein Metall der sogenannten Seltenen Erden. Die Belieferung der Welt mit diesen kritischen, für Hightech-Produkte unentbehrlichen Rohstoffen wird zu 95 Prozent von China beherrscht. Lynas baut nun eine eigene Versorgungskette auf.

 

 

 

Und Siemens verspricht sich von der Produktion mit den Australiern, die Abhängigkeit von Neodym aus China zu verringern und Engpässe zu verhindern.

 

 

 

Weniger Bedarf an Gold und Kupfer

 

 

 

Dass sich technischer Fortschritt und ein sparsamerer Umgang mit Rohstoffen erfolgreich verbinden lassen, beweist EPCOS in München, ein Hersteller von elektronischen Bauelementen. Beispiel: ein Hochfrequenz-Filter, der in Mobiltelefonen das Senden und Empfangen von Signalen ermöglicht.

 

 

 

„Bei gleichbleibender Funktion haben wir die Größe dieses Bauelements in den vergangenen sieben Jahren um 90 Prozent verkleinert“, berichtet Dr. Gerd Schulz, der Leiter des Umweltreferats von EPCOS. So reduziert das Unternehmen den Einsatz wertvoller Metalle wie Gold, Aluminium, Lithium, Niob und Kupfer.

 

 

 

Dieser Fall zeigt: Knappheit und hohe Preise der Rohstoffe treiben Innovationen voran. Es gibt trotz aller Risiken also auch Chancen – gerade für die kreative Metall- und Elektro-Industrie in Bayern.

 

 

 

 

 

Bayerns Wirtschaft ist stark von Rohstoffen abhängig, da die Industrie im Freistaat eine große Rolle spielt. Und weil Deutschland insgesamt relativ wenig Bodenschätze hat, müssen zwei Drittel aller benötigten Rohstoffe importiert werden.

 

 

 

Im Rohstoffpreisindex der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft sind die Weltmarktpreise (in US-Dollar) von 42 Metallen und Mineralien enthalten. Die Gewichtung richtet sich nach dem Import-Verhältnis: Je größer der Anteil eines Rohstoffs an der gesamten bayerischen Einfuhr, desto stärker ist er in dem Index berücksichtigt.

 

 

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