Metall und Elektro

Wertvolle Zeit gewonnen


Wie der Metall-Tarifabschluss Betrieben durch die Krise hilft

So schnell kann sich das Blatt wenden: 2008 machte der Betrieb von Wilfried Neuhaus-Galladé den höchsten Umsatz in der Firmengeschichte. Dann folgte die Krise – und die Bestellungen für seine Hebezeuge, mit denen sich schwere Lasten bewegen lassen, gingen um 18 Prozent zurück. „Weil wir noch von einem guten Auftragspolster gezehrt haben, kam es nicht ganz so dick“, sagt der Chef des Wittener 35-Mann-Betriebes.

Dennoch musste die Firma J.D. Neuhaus die Produktion drosseln, ein Teil der Belegschaft fährt seit Mai letzten Jahres Kurzarbeit. Zunächst noch bis Ende April. „Dann wird neu entschieden“, so Neuhaus-Galladé.

So viel Flexibilität gab es noch nie

Da kommt der neue Metall-Tarifvertrag „Zukunft in Arbeit“ gerade recht. Was da IG- Metall-Bezirksleiter Oliver Burkhard und NRW-Landesarbeitgeberchef Horst-Werner Maier-Hunke Mitte Februar

in Düsseldorf für die Branche ausgehandelt haben, kann den Betrieben helfen, die Krise besser zu durchstehen. So viel Flexibilität gab es nie. Sie ist ein Beleg dafür, dass der Flächentarifvertrag alles andere als ein Auslaufmodell ist.

Jetzt können Betriebsrat und Geschäftsführung eine neue Form der Kurzarbeit wählen. Bei ihr spart der Arbeitgeber Geld, weil er das Urlaubs- und Weihnachtsgeld nicht wie bei der gesetzlichen Kurzarbeit zu 100 Prozent weiterzahlen muss. Diese Sonderzahlungen werden für alle Mitarbeiter des Betriebes auf die zwölf Monate verteilt – und so Bestandteil des normalen Monatsentgelts. Wenn die Arbeitszeit dann verkürzt wird, verringern sich entsprechend die Monatsentgelte und damit die Sonderzahlungen.

Kostenbelastung hält sich in Grenzen

„Das könnte für uns eine interessante Alternative sein, falls wir die Kurzarbeit verlängern“, so Unternehmer Neuhaus-Galladé. Bei der neuen Variante verpflichten sich die Betriebe, alle Kurzarbeiter zu halten. Im Gegensatz zur gesetzlichen Variante, die eine Kündigung erlaubt.

Auch Ulrich Reisenauer, Personalleiter von ABC Umformtechnik in Gevelsberg, lobt diese Neuerung. Einige der 263 Mitarbeiter des Schraubenproduzenten arbeiten seit Februar 2009 mit Unterbrechungen weniger. „Wir brauchen eine Verlängerung.“

Der Dortmunder Unternehmer Arno Brückner, dessen gleichnamiger Betrieb Kolbenbolzen und Kurbelzapfen für Zweitaktmotoren herstellt, bezeichnet die neue Kurzarbeit als den „größten Pluspunkt des Abschlusses“. Der Chef von 28 Mitarbeitern, möchte das bewährte Instrument der Jobsicherung bis Ende 2010 nutzen – und hofft, dass dann die Krise durchgestanden ist.

Und wenn nicht? Hat ein Betrieb die Kurzarbeit voll ausgeschöpft, kann er die Wochenarbeitszeit auf bis zu 28 Stunden kürzen. Bezahlt werden dann 29,5 Stunden, so verlieren die Mitarbeiter nicht so viel Geld.

Einen anderen Aspekt lobt Norbert Hammes, Geschäftsführer der Vetter-Gruppe in Siegen (380 Mitarbeiter; Schwenkkrane und Gabelstaplerzinken). Dass nämlich erst im April nächsten Jahres eine Entgelterhöhung ansteht: „Das verschafft uns auf der Kostenseite Luft.“

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