Interview: Warum es ohne externe Leistungen in der M+E-Industrie nicht läuft

Werkverträge: „Mehr Mitbestimmung wäre verfassungswidrig“


Berlin. Seit über 100 Jahren stehen sie im Gesetzbuch: die Regeln für Werkverträge. Nun mehrt sich Kritik an diesem bewährten Instrument des Wirtschaftslebens. Sind etwa neue Normen nötig? AKTIV sprach darüber mit Oliver Zander. Der 44-jährige Rechtsanwalt ist Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall.

Warum sind Werkverträge für die Metall- und Elektro-Indus­trie (M+E) so wichtig? Ginge es nicht auch ohne?
Auf keinen Fall! Der Werkvertrag ist ein Ausdruck der Arbeitsteilung: So wie Sie privat einen Maler beauftragen, weil der besser streichen kann, so sucht sich ein Unternehmen immer neue Spezialisten, um möglichst effizient und kostengünstig zu fertigen. Das hat Tradition, Autohersteller bauen schon lange nicht mehr jede Schraube und Dichtung eines Motors selbst ...

Jeder vierte M+E-Chef meint laut einer Umfrage, es werde verstärkt Werkverträge geben.
Ja. Aber das wäre nicht automatisch von Übel. Wenn Bosch für Daimler mehr Aufträge erledigt – wo ist das Problem? Jeden Tag müssen Abläufe auf Effizienz abgeklopft werden, jeden Tag muss die Frage „make or buy“ – selbst machen oder zukaufen – neu beantwortet werden. Damit das Unternehmen sich im Wettbewerb behaupten kann! Werkverträge sichern so die Arbeitsplätze bei Bosch und bei Daimler, um bei dem Beispiel zu bleiben.

Sollte der Betriebsrat dabei noch mehr mitreden dürfen?
Nein, das ist für uns eine rote Linie. Das wäre ein gravierender Eingriff in die unternehmerische Freiheit, das wäre verfassungswidrig. Schließlich haftet ein Betriebsrat nicht für seine Entscheidungen.

Kürzlich haben Missbrauchsfälle etwa in Schlachtereien für Schlagzeilen gesorgt. Benötigen wir schärfere Regeln?
Aus unserer Sicht nicht, die nötigen Gesetze sind ja da. Wir befürworten aber durchaus ein vermehrtes Eingreifen der Finanzkontrolle Schwarzarbeit.

Weichen M+E-Firmen jetzt vielleicht öfter auf Werkverträge aus, weil Zeitarbeit durch die neuen Branchenzuschläge teurer geworden ist?
Diese Verbindung sehen wir nicht. Zeitarbeit gibt die nötige Flexibilität für Auftragsschwankungen. Bei einem Werkvertrag geht es aber wie gesagt darum, ob man bestimmte Arbeiten überhaupt noch in eigener Regie erledigt. Bei dieser Frage spielt übrigens auch die vergleichsweise hohe Vergütung der unteren M+E-Tarifgruppen eine Rolle.

Wie meinen Sie das? Wird deshalb mehr ausgelagert?
Lassen Sie es mich so sagen: Je teurer man einfache Arbeit macht, desto eher rechnet sie sich in Deutschland einfach nicht mehr. Kein Unternehmen könnte es sich heute auch nur ansatzweise leisten, seine ganze Wertschöpfungskette nach M+E-Tarifen zu bezahlen.

Wollen Sie übers Entgelt für einfachste Tätigkeiten mit der Gewerkschaft sprechen?
Um Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern, ist das schon sinnvoll. Dem will sich übrigens der IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber nach eigenen Worten auch nicht verweigern.

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Übrigens

Jeder vergibt Werkverträge

  • Wer den Maler kommen lässt, schließt einen Werkvertrag: Die Malerfirma liefert das „Werk“ – gestrichene Wände – und hat dann Anspruch auf die fest vereinbarte Vergütung.
  • Als Auftraggeber kann man den Mitarbeitern der Malerfirma aber nicht etwa vorschreiben, wie sie den Pinsel zu schwingen haben.
  • Trödeln die Malergesellen, bezahlt dafür allein ihr Meister: Der „Werklohn“ ist ja festgelegt.
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