Mythos Sicherheit

Wer sagt denn, dass man Geld nicht essen kann?


Gold ist derzeit heiß begehrt – nicht nur bei Anlegern

Kein Juwelier kommt ohne Gold aus, kein Zahnarzt, die Raumfahrt nicht – und neuerdings auch nicht die Haute Cuisine: In Speise-Angeboten feiner Restaurants landen hauchdünne Späne oder winzige Flocken auf dem Teller. Damit lebt eine Tradition wieder auf: Bereits im Mittelalter wurden gebratene Drosseln, Lerchen und Wachteln mit Gold verziert, bevor man sie den hohen Herren servierte.

Die Rechnung fällt derzeit deftig aus. Mit 925 Dollar je 31,1-Gramm-„Feinunze“ erreichte der Goldpreis Ende Januar nominal den höchsten Stand aller Zeiten – und selbst real, also nach Abzug der allgemeinen Teuerung, liegt er klar über dem historischen Durchschnitt (siehe Grafik unten). Die weltweite Fördermenge von etwa 2.800 Tonnen pro Jahr deckt bei weitem nicht die Nachfrage von mindestens 3.600 Tonnen.

Indiens Brautpaare treiben den Preis

Die Differenz stammt aus dem Verkauf von Zentralbank-Gold – und aus Recycling-Material: Vor allem in Indonesien, Hongkong und Japan lassen viele Privatleute Schmuck einschmelzen und verkaufen es, berichtete jüngst der Wirtschaftsdienst Reuters.

Dagegen lenkt Eugen Weinberg, Edelmetall-Experte der Commerzbank, den Blick nach Indien: „Im Februar läuft dort die Saison der Hochzeiten an, mit bis zu 10.000 täglich.“ Zu diesem Fest werde in der Regel Gold geschenkt, „das spielt eine große Rolle für den jetzigen Preis.“

Kostet die Feinunze bald 1.000  Dollar? Wer darauf spekuliert, kann böse erwachen – das zeigte sich etwa in den Jahren ab 1980. Gleichwohl haben zuletzt  vor allem der fallende Dollar-Kurs und Sorgen um das Wachstum der Weltwirtschaft Wirkung gezeigt: Anleger flüchten in den vermeintlich sicheren Hafen. „Gold kann in den kommenden Jahren eine Al-ternative sein“, meint der Schweizer Vermögensverwalter Marc Faber. Kann, muss aber nicht.

Ein Fußballplatz, kniehoch bedeckt

Fest steht nur so viel: Das begehrte Edelmetall macht es den Menschen nicht gerade einfach, heranzukommen. Die Minen rund um den Globus, meist riesige industrielle Großprojekte, holen im Schnitt pro abgebauter Tonne Fels nur wenige Gramm Gold aus der Erde. In der Regel vergehen sieben Jahre bis zur ersten Unze – so lange dauern Erkundungen und Vorarbeiten. Die Kosten, um eine Unze Gold zu fördern, liegen nach Berechnungen des kanadischen Branchendienstes „Metals Economics Group“ bei 428 Dollar.

Bislang wurden auf der ganzen Welt etwa 150.000 Tonnen Gold produziert, schätzt die US-Minenfirma Gemini Explorations. Das klingt mehr, als es ist: Den Rasen eines einzigen Fußballplatzes würde diese Menge gerade mal kniehoch bedecken.

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