Klimawandel

Wer ist schuld?


Die neue hitzige Debatte um die Erderwärmung

Köln. Die Sache schien klar, eigentlich waren sich alle einig: Die Erde wird immer wärmer, der Klimawandel kommt! Und mit ihm biblische Fluten, Dürrekatastrophen, Hitzewellen. Und wir, die Menschen, sind an allem selbst schuld! Basta!

Weil wir die Atmosphäre mit dem Treibhausgas CO2 belasten, als gäbe es kein Morgen. Aus den Auspuffrohren unserer Autos, den Schloten unserer Fabriken. Und wer nicht so recht glauben wollte an die menschengemachte Erderwärmung, der stand ganz schnell ganz einsam in der Klimakiller-Ecke. Wie gesagt: Die Sache schien klar.

Jetzt aber wird die ganze Klima-Debatte plötzlich wieder richtig hitzig. Schuld daran: Der Umweltexperte Fritz Vahrenholt. Er sagt: „Die Klimakatastrophe findet nicht statt!“ Statt wärmer werde es in den kommenden Jahrzehnten auf unserer Erde sogar kühler.

Ja, spinnt denn der?

„Globale Abkühlung um 0,3 Grad“

In seinem gerade erschienenen Buch „Die kalte Sonne“ tut der ehemalige Hamburger Umweltsenator, promovierte Chemiker und langjährige Strommanager zumindest nichts weniger, als sämtliche Vorhersagen der etablierten Klimawissenschaft als maßlos übertrieben abzutun.

Seine Theorie: Die negativen Auswirkungen von CO2 auf das Klima würden überschätzt. Die Rolle der Sonne dagegen systematisch unterschätzt. Jedoch gehe „mindestens die Hälfte“ der bisherigen Erderwärmung auf eine verstärkte Aktivität der Sonne zurück. „Seit 14 Jahren ist es auf diesem Planeten nicht mehr wärmer geworden, trotz weiter steigender CO2-Emissionen“, sagt Vahrenholt. Dazu müsse die etablierte Klimawissenschaft mal eine Erklärung liefern.

Und: Weil uns nach Erkenntnissen führender Sonnenforscher jetzt sogar ein schwächerer Sonnenzyklus bevorstehe, werde es auf der Erde in den nächsten Jahrzehnten eher wieder frischer. „Bis 2035 wird es eine globale Abkühlung um 0,2 bis 0,3 Grad geben“, so Vahrenholt. Zum Vergleich: Der Weltklimarat (IPCC) sagt eine Erwärmung um 2 bis 4,5 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts voraus.

Mannomann, steile Thesen! Für die Fritz Vahrenholt schon kurz nach Erscheinen seines provokanten Buchs von fast allen Seiten verbal verdroschen wurde. „Das sind Thesen, die ihre verdiente Ruhe auf dem Friedhof von Absurdistan gefunden haben“, rümpfte etwa Professor Mojib Latif, Klimaexperte am Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel, die Nase.

„Öko-Sarrazin“, ätzte die „Tageszeitung“ in Anspielung auf den umstrittenen Gesellschaftskritiker Thilo Sarrazin. Und „Die Zeit“ langte mal ganz tief in die Wortspielkiste, sie dichtete: „Störenfritz des Klimafriedens“. Fast beruhigend, dass die „Bild“ die Sau gegen die Fahrtrichtung durchs Dorf trieb und flugs eine ganze Serie zum Thema „Die CO2-Lüge“ druckte.

Das Ballyhoo um Vahrenholts Buch zeigt vor allem: In der hitzig geführten Klima-Debatte gibt es hierzulande wohl nur zwei Extreme: gut oder böse. Gut sind die Warner vor der Apokalypse, die Bösen sind die Skeptiker.

Angst vor Abkehr von erneuerbaren Energien

Dabei ging es auch Vahrenholt wohl nicht zuletzt um die Zwischentöne. „Meine Sorge ist: Wenn die Bürger spüren, dass die Erderwärmung nicht so voranschreitet wie so oft prognostiziert, werden sie sich abwenden von den erneuerbaren Energien.“

Die aber würden so oder so dringend gebraucht. „Aber eben nicht nur aus Klimaschutzgründen“, so Vahrenholt. „Sondern weil fossile Energieträger schlicht endlich sind.“

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