Kaufkraft

Wer dreht da an der Preis-Spirale?


Großeinkauf: Inflation bekämpfen, bringt letztlich mehr Kaufkraft als überzogene Lohnrunden. Fotos: Eifrig, dpa; Montage: Eifrig

Die Euro-Hüter warnen vor hausgemachter Inflation

Frankfurt. Eigentlich läuft es gut für die Verbraucher. Die Inflation zieht sich zurück. Sie sank im August von 3,3 auf 3,1 Prozent, und der zuletzt wieder rückläufige Ölpreis lässt bei Sprit und Heizen auf weitere Linderung hoffen: Das Essener Forschungsinstitut RWI rechnet für 2009 nur noch mit 2,3 Prozent.

Trotzdem: Unwägbarkeiten bleiben. Die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt, die für die Stabilität unserer Währung zuständig ist, verfolgt nämlich derzeit mit „besonderer Aufmerksamkeit“ die Lohn-Verhandlungen im Euro-Raum.

Im aktuellen Monatsbericht heißt es warnend: Gewerkschaften und Arbeitgeber sollten aufpassen, dass nicht „breit angelegte Zweitrunden-Effekte“ für neuen Inflationsdruck sorgen.

Wir hatten schon mal 7 Prozent

Im Klartext: Nach Einschätzung der EZB beginnt sich die berüchtigte Lohn-Preis-Spirale zu drehen. Dabei führen höhere Preise, selbst wenn der Anstieg nicht dauerhaft ist, zu kräftigen Lohnforderungen. Und um die höheren Löhne bezahlen zu können, setzen die Betriebe auf breiter Front die Preise hoch. So schrauben sich Löhne und Preise immer weiter nach oben – bis die Zentralbank die Inflation mit hohen Zinsen stoppt. Was in aller Regel das Wachstum abwürgt und viele Arbeitsplätze kostet.

Wohin die Lohn-Preis-Spirale führen kann, zeigt ein Rückblick auf das Jahr 1973. Damals stieg die Inflation, nach mehreren hohen Tarifabschlüssen und der ersten großen Ölkrise, auf den Nachkriegsrekord von 7,1 Prozent. Als dann im Februar 1974 der Öffentliche Dienst auch noch ein spektakuläres 11-Prozent-Lohnplus erstreikte, ging die Konjunktur in die Knie. 1974 wuchs die Wirtschaft nur noch um 0,5 Prozent. 1975 schrumpfte sie sogar um 1 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen schnellte auf 1,1 Millionen – damals ein Schock, fünf Jahre zuvor waren es noch 149.000.

10 Milliarden Euro mehr Kaufkraft

Eindringlich drängt die EZB die Tarifparteien jetzt dazu, „ihrer Verantwortung gerecht zu werden“. Und argumentiert: Auch bei vernünftigen Lohn-Abschlüssen bleibe die Kaufkraft erhalten, zumal der Ölpreis für weitere Entlastung sorgen könne.

Stefan Kooths, Konjunkturexperte am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin, bestätigt: „Ein Rückgang des Öl-Preises von 130 auf 100 Dollar entlastet die gesamte Volkswirtschaft jährlich um 10 Milliarden Euro.“

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