Leitartikel

Wenn sich Öko mit Öko verheddert

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Schicksalswahl am Lidl-Obstregal: Das normale Pfund Tomaten für 55 Cent oder doch lieber Bio für 1,25 Euro? Immerhin 8 Milliarden Euro jährlich geben die Deutschen inzwischen für Öko-Lebensmittel aus, doppelt so viel wie vor zehn Jahren. Für viele ist das eine Spontan-Entscheidung, für manche eine Glaubensfrage. Sie blenden aus, dass in Deutschland höchste Lebensmittelstandards gelten – und die Grenzwerte für Pestizid-Rückstände und andere unerwünschte Substanzen für die 95 Prozent Nicht-Bio-Lebensmittel genauso streng sind wie für die 5 Prozent Bio.

Doch paradox: Jetzt meldet die Behörde, dass die Anbaufläche der Öko-Bauern in Deutschland erstmals zurückgegangen ist! Dass wir im Supermarkt immer öfter für ein komplizierteres, aber naturnäheres Wirtschaften bezahlen, kommt also auf unseren Äckern und Weiden gar nicht mehr an. Das hängt mit einem zweiten Öko-Thema zusammen, das den Deutschen nicht minder am Herzen liegt: der Energiewende.

Denn auf landwirtschaftliche Flächen kann man auch Windräder stellen, Sonnenkraftwerke oder Strommasten für neue Trassen. Man kann Pflanzen für Biogasanlagen anbauen oder für Biosprit. All das ist wegen hoher Subventionen lukrativ, die Nachfrage nach Flächen ist gewachsen, die Pachten haben sich rasant verteuert – und nicht zuletzt das zwingt Öko-Bauern in die Knie.

Aber macht ja nichts. Dann strickt man eben die andere Öko-Masche weiter. Von den Grünen kam kürzlich schon die Idee, Bio-Lebensmittel massiv bei der Mehrwertsteuer zu begünstigen. Sollen wir alle nur noch Bio essen? Es würde die Lebensmittelpreise mehr als verdoppeln.


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