Familie

Wenn Job und Eltern vollen Einsatz fordern


Wie Chemie-Unternehmen Mitarbeiter bei der Pflege Angehöriger unterstützen

Das Telefon im Büro klingelt. Eine normale Situation. Aber nicht, wenn man gebrechliche Eltern zu Hause hat. Dann kreisen schnell die Gedanken: Ist ihnen etwas passiert?

Die Pflege von Angehörigen neben dem Beruf bedeutet doppelte Last. Sie dauert oft viele Monate. Sie erschöpft, zerrt an den Nerven. In Rheinland-Pfalz sind Tausende Berufstätige betroffen. Und laut offizieller Prognosen schwillt die Zahl der älteren, pflegebedürftigen Menschen bis 2050 noch um 99.000 an.

Im Deutschland-Vergleich werden in Rheinland-Pfalz besonders viele Menschen durch Angehörige zu Hause gepflegt: Von 106.000 Pflegebedürftigen hierzulande sind es 53.000, so das Statistische Landesamt. Bundesweit sind es mehr als 1,5 Millionen. 65 Prozent der Pflegenden sind berufstätig. Tendenz steigend.

Freizeit sammeln

Ob Großkonzerne oder Mittelständler. Sie wappnen sich für die Zukunft. Wie die Woellner Group in Ludwigshafen. Als eine Mitarbeiterin um Hilfe bat, reagierte das Chemie-Unternehmen sofort. Und erlaubte, dass sie bis auf weiteres drei Werktage nur bis mittags arbeitet.

Personalleiter Stefan Abstein: „Der Bedarf an flexiblen Lösungen wird in den nächsten Jahren zunehmen.“

Auch andere Chemie-Unternehmen bieten bereits interne Lösungen an. Wie der Kunststoff-Spezialist Profine in Pirmasens: Hier können Mitarbeiter seit dem letzten Jahr Entgelt, Schichtzulagen oder Freizeit auf einem speziellen Konto sammeln. Und das Guthaben für die Weiterbildung nutzen – oder für die Pflege Angehöriger.

Der Katalysatoren-Hersteller Grace Holding in Worms unterstützt pflegende Mitarbeiter mit individuellen, ganz flexiblen Arbeitszeiten. „Wir sind immer bemüht, eine Lösung zu finden“, sagt Personaler Bernd Straßburg.

Das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim bei Mainz erlaubt Pflegenden Gleitzeit, Vertrauensarbeitszeit und auch Telearbeit von zu Hause aus.

Damit sind diese Betriebe weiter als die Politik. Dort wird über die Einführung einer gesetzlichen Familien-Pflegezeit noch diskutiert.

Der Plan von Familienministerin Kristina Schröder: Betroffene Mitarbeiter sollen ihre Arbeitszeit bei 75 Prozent des Gehalts um 50 Prozent reduzieren können, für maximal zwei Jahre. Derzeit darf man sechs Monate ausscheiden – unbezahlt.

Familienservice hilft Mitarbeitern

Doch auch fachlicher Rat ist wichtig und hilft. „Wir bieten psychosoziale Betreuung an“, sagt Sybille Anhorn, die sich bei Boehringer um die individuelle Mitarbeiterberatung kümmert. „Wir haben im Intranet einen Info-Bereich eingerichtet.“

Beim Reifen-Spezialist Michelin in Bad Kreuznach hilft seit 2008 der Familienservice „Bib Cares“. Das Unternehmen trägt etwa die Kosten für die Beratung sowie die Vermittlung von Betreuern und Haushaltshilfen.

Der Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen hat sogar eine eigene Sozialstiftung. Experten führen Entlastungsgespräche mit den Betroffenen. 36 Mitarbeiter machten im vergangenen Jahr davon Gebrauch.

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Unternehmen in diesem Artikel

Michelin Reifenwerke KGaA Werk Bad Kreuznach

Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG

Wöllner GmbH

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Wöllner GmbH
Wöllnerstraße 26
67065 Ludwigshafen

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profine GmbH

Grace Holding GmbH

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Grace Holding GmbH
In der Hollerhecke 1
67547 Worms

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