Technik

Wenn Ingenieure hoch hinaus wollen …


… greifen sie oft nach Stahl. Altes Eisen? Von wegen! Er macht Träume wahr

Seile aus Stahl recken sich in den Himmel. Mit einer Länge von fast 100 Metern. Wie ein riesiger Fächer halten sie das höchste Teilstück eines gigantischen Bauwerks in der Schwebe: die neue Brücke über die Bucht von Hangzhou südlich von Schanghai. Die gewagte Konstruktion aus Stahl und Beton misst 36 Kilometer von einem Ende zum anderen – und ist die längste Meeresbrücke der Welt.

Dieses Beispiel zeigt, dass der traditionsreiche Werkstoff Stahl, mit dem Deutschland zur Industrienation aufgestiegen ist, nach wie vor hochaktuell ist. Altes Eisen? Von wegen! Denn dieses Material wird immer wieder neu erfunden. So sind die Seile der 2008 eröffneten Hangzhou Bay Bridge aus besonders hochfestem Stahl Made in Germany.

Stahl ist nicht gleich Stahl. Der eine ist so hart, dass er Glas schneidet, der andere elastisch wie Gummi. Rund 2.500 Sorten gibt es, Tendenz steigend.

Klettverschluss: Stahl statt Kunststoff

Egal ob Hochhäuser, Schiffe, Flugzeuge, Lokomotiven, Autos, Maschinen, Kühlschränke, Messer, Töpfe, Bobkufen – oder eben Brücken: ohne Stahl undenkbar.

Neuerdings gibt es ihn auch als Klettverschluss! Zur Befestigung von Lüftungs- und Kabelkanälen. Das Teil besteht jeweils aus einem 0,2 Millimeter „dicken“ Haken- und Lochband. Der Verschluss ist so ideal, dass er 2009 mit dem Stahl-Innovationspreis ausgezeichnet wurde. Damit würdigt die Stahlbranche alljährlich die besten Neuentwicklungen.

Und weil man Stahl so vielseitig einsetzen kann, ist er gefragter denn je. Allein 2008 wurden weltweit 1,3 Milliarden Tonnen erzeugt. Nur die jüngste Wirtschaftskrise konnte den Höhenflug vorübergehend stoppen. Doch schon im nächsten Aufschwung dürfte die Nachfrage wieder anziehen.

Vor allem Ingenieure greifen gern nach ihm, um ihre ehrgeizigen Pläne zu verwirklichen.

13 Meter lang, 5 Meter hoch und 440 Tonnen schwer – die leistungsfähigste luftgekühlte Gasturbine der Welt leistet mit 340 Megawatt so viel wie zehn Triebwerke des größten Jets von Airbus, dem zweistöckigen

A 380. Sie könnte die gesamte Bevölkerung Hamburgs mit Strom versorgen. Das Kraftpaket holt so viel Energie aus dem Gas heraus wie keine andere Turbine.

Schutz bei schweren Erdbeben

Dabei zerren an den rotierenden Bauteilen Fliehkräfte, die dem halben Gewicht eines großen Passagier-Jets entsprechen. Zudem müssen die Turbinenschaufeln Temperaturen bis zu 1500 Grad verkraften – das halten nur Spezialstähle aus.

Und Stahl schützt vor Naturgewalten. Indem er beispielsweise Wolkenkratzer elastisch macht. Damit die selbst bei einem schweren Beben nicht einknicken.

Der mehr als 500 Meter hohe „Taipeh 101“ in Taiwans Hauptstadt kann gar Erdbeben bis zur Stärke 8 trotzen. Grund ist nicht nur sein mächtiges Fundament aus 9.000 Tonnen Stahl und 26.000 Kubikmetern Beton. Im 92. Stock hängt eine 660 Tonnen schwere Stahlkugel. Die hält wie ein Pendel den Himmelstürmer im Gleichgewicht.

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