Reformen

Wenn eine Reform mal gelingt ...


Der neue Bundesfreiwilligendienst war hoch umstritten – jetzt ist er so beliebt, dass freie Stellen knapp werden

Berlin. Es geht mal vor und mal zurück – aber nicht so richtig voran. Ob beim Ausbau der Kindertagesstätten oder beim umstrittenen Betreuungsgeld: Durchgreifende Reformen fallen der Politik oft schwer.

Und wenn die Regierung mal einen mutigen Schritt wagt,  schlagen prompt die Experten Alarm. Wie vor einem Jahr, als das Familienministerium den Zivildienst abschaffte und den Bundesfreiwilligendienst – kurz Bufdi – startete.

„Da wird sich in jedem Fall eine Lücke auftun!“ Mit diesen Worten warnte damals Ulrich Schneider, Chef des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, vor massiver Personalnot in Krankenhäusern, Pflege- und Altenheimen. Ein Irrtum. Mehr als 60 000 Freiwillige meldeten sich für die knapp 35 000 Bufdi-Plätze. Bei vielen Einrichtungen gibt es lange Wartelisten.

Doppelt so viele Interessenten wie Stellen

Fazit im Ministerium: „Der Zivildienst ist rechnerisch vollständig kompensiert worden“, so Jens Kreuter, Chef des zuständigen Arbeitsstabes.

Ein Jahr freiwillige Arbeit für 336 Euro Taschengeld im Monat – wer macht so etwas? Zwei Drittel der Bewerber sind jünger als 27 Jahre. Mehr als 80 Prozent haben einen Realschulabschluss oder Abitur. Das stellt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) fest, mit 11 000 Plätzen der größte Anbieter. „Viele junge Leute wollen nach der Schule eine Orientie­rungsphase einlegen oder die Zeit bis zur Ausbildung oder zum Studium überbrücken“, so DRK-Generalsekretär Clemens Graf von Waldburg-Zeil. Entscheidend für die jungen Bufdis seien die Einsatzmöglichkeiten – vor allem in Rettungswesen und Krankentransport.

Mindestens genauso zielstrebig und motiviert sind die über 11 000 älteren Freiwilligen – denn für den Dienst gibt es keine Altersbeschränkung. Neben engagierten Rentnern und Hartz-IV-Empfängern, die den Dienst als Chance sehen, wieder ins Berufsleben zu schnuppern, nutzen besonders Frauen das Angebot. „Viele von ihnen proben hier den Wiedereinstieg ins Berufsleben nach der Familienphase“, so Antje Mäder vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben in Köln. Denn Rückkehrerinnen profitieren von einer Ausnahmeregelung für über 27-Jährige.

Diese Freiwilligen können auch Teilzeit arbeiten, mindestens 20,5 Stunden pro Woche. So bietet sich der Bundesfreiwilligendienst für so manchen sogar als Sprungbrett in den Arbeitsmarkt an.

 

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Schlagwörter: Politik Soziales

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