Gemeinwohl

Wenn die Reichen stiften gehen


Ohne großes Aufsehen: Wohlhabende Deutsche unterstützen vor allem Forschung, Bildung und Soziales. Foto: Roth

Privates Engagement für die Gesellschaft ist so groß wie nie

Berlin. Die Zwillingsbrüder Andreas und Thomas Strüngmann aus Hamburg: Sie gehören zu den 300 reichsten Deutschen – und zu den spendabelsten. Mit 200 Millionen Euro haben die ehemaligen  Eigentümer des Pharma-Unternehmens Hexal die Gründung eines Hirnforschungszentrums in Frankfurt am Main unterstützt.

Was 40 amerikanische Milliardäre vor wenigen Wochen spektakulär inszenierten, hat auch in Deutschland Tradition: Einen Großteil des eigenen Vermögens für das Gemeinwohl abzutreten. Meistens ganz  diskret.

„Jährlich werden um die 1.000 Stiftungen ins Leben gerufen“, sagt Hermann Falk vom Bundesverband Deutscher Stiftungen. Seit einigen Jahren verzeichnet er einen regelrechten Boom.

Über den Tellerrand hinaus blicken

Die Zahlen: 17.400 Stiftungen gibt es in Deutschland, davon sind 96 Prozent gemeinnützig. 100 Milliarden Euro Vermögen stecken insgesamt darin. Die Zinsen und Erträge daraus, 7 Milliarden Euro im Jahr, werden für wohltätige Zwecke ausgeschüttet.

„Mehr als die Hälfte der Stiftungen wurde in den letzten zehn Jahren errichtet“, sagt Falk. Vor 15 Jahren rief SAP-Mitgründer Dietmar Hopp seine Stiftung ins Leben. Sie ist mit 2,9 Milliarden Euro Vermögen die zweitgrößte nach der Robert-Bosch-Stiftung (5,3 Milliarden Euro). Hopp fördert die medizinische Forschung und soziale Projekte wie Sportvereine und Pflegeheime. Finanziert wird dies  ausschließlich aus den Dividenden der SAP-Aktien, die Hopp gespendet hat.

Die Martin-Görlitz-Stiftung des mittelständischen Unternehmens in Koblenz dagegen hat sich Umwelt- und Energiethemen verschrieben – mit ihrer Jugendwerkstatt Energie und Technik und dem sportlich ambitionierten Solarboot-Cup.

So sehr sich die Gründer der Stiftungen auch unterscheiden: „Sie verbindet die Eigenschaft, über den Tellerrand hinauszudenken“, sagt Verbandsgeschäftsführer Falk. „Diese Leute wollen gestalten und in der Gesellschaft eine Wirkung erzielen.“

Was ihnen dabei hilft: „Das allgemeine Stiftungsrecht und Steuerrecht wurde 2000, 2002 und 2007 entscheidend verbessert. Es gibt weniger Bürokratie.“

Leistungsbereitschaft fördern

„Außerdem sei die Anerkennung für Stifter in der Politik und in der Öffentlichkeit gewachsen. Falk stellt zufrieden fest: „So haben wir in Europa die besten Rahmenbedingungen.“

Wichtigstes Motiv aber bleibt in jedem Fall das persönliche Anliegen der Initiatoren. Wie bei Manfred Sauer aus dem baden-württembergischen Lobbach. Der seit einem Unfall 1963 im Rollstuhl sitzende Unternehmer will die Leistungsbereitschaft von Querschnittsgelähmten fördern, mit seinem idyllisch gelegenen Gesundheitszentrum am Rand eines Naturschutzgebietes.

Große Spender
Hans-Werner Hector, Mitgründer SAP 200 Millionen Euro Hector Wissenschaftsfonds
Zygmunt Solorz-Zak, polnischer Unternehmer 100 Millionen Euro Demenzforschung, Uni München
Hasso Plattner, Mitgründer SAP 25 Millionen Euro Wissenschaftsnachwuchs
Klaus Tschira, Mitgründer SAP 20 Millionen Euro Jugendprojekte, Forschung
Familie Schwarz-Schütte, Pharma Schwarz 16 Millionen Euro Heinrich-Heine-Uni, Düsseldorf
Alexander Otto, ECE-Group 13 Millionen Euro Eis- und Ballsportarena Hamburg
Horst Deichmann, Deichmann-Gruppe 10 Millionen Euro soziale Projekte
Susanne Klatten, BMW-Aktionärin 5,4 Millionen Euro Technische Uni München
Quellen: „Die 300 reichsten Deutschen“; Manager-Magazin; Handelsblatt

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