Energieversorgung

Wenn der Russe am Rad dreht


Die Georgien-Krise macht offenbar: Wir haben kein Energie-Konzept!

Berlin. Die Georgien-Krise zeigt es: Wir sind erpressbar. „Der Westen wird gar nichts machen“, poltert Walerij Galtschenko. „Und sollte er es doch versuchen, bekommt er selbst Sanktionen. Zum Beispiel werden wir das Gas abdrehen.“

Der Mann ist nicht irgendwer. Sondern Vorstandsmitglied der Regierungspartei „Geeintes Russland“!

Kohle, Kernenergie oder Lichter aus?

Also doch – müssen wir bald frieren? Und was kommt auf unsere Industrie zu? „Auch wenn man den Russen bislang keine Unzuverlässigkeit vorwerfen kann“, warnt Hubertus Schmoldt, Chef der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie: Die Abhängigkeit vom russischen Gas „ist ein Riesenproblem“.

Ein Drittel unseres Gases und auch ein Drittel des Öls kommen aus Russland. Ein Dilemma: Gleichzeitig will Deutschland schon in den nächsten acht Jahren die Hälfte der Kernkraft-Kapazität stilllegen. Und der Bau neuer Kohle-Kraftwerke als Ersatz für die alten Dreckschleudern stößt auf Widerstand – denn das Verfeuern von Kohle setzt viel mehr klimaschädliches Kohlendioxid frei als das von Erdgas.

Wir müssen uns wohl entscheiden: Kohle, Kernenergie – oder Lichter aus.

Denn all die vielen Windräder, die sich ja auch nicht immer drehen, werden uns nicht wirklich weiterhelfen. Beim Strom etwa sagen fünf von sieben aktuellen Studien voraus: 2020 gibt es eine „Stromlücke“. Den Saft im Ausland einkaufen? „Strom-Importe stellen keine Alternative dar“, stellt die Deutsche Energie-Agentur klar, die im Auftrag der Bundesregierung die Versorgungslage beleuchtet. Erstens gibt es nicht genug Leitungen über die Grenze. Und zweitens zeichnen sich auch im Ausland Engpässe ab.

Die Fronten bröckeln

Die Einsicht, dass Deutschland endlich ein Gesamtkonzept braucht, führt zu neuen Tönen in der Energie-Debatte. „Man kann nicht gleichzeitig Kohle und Kernenergie ablehnen“, sagt die frühere Grünen-Politikerin und Wirtschafts-Staatssekretärin Margareta Wolf. Als Mitarbeiterin einer PR-Agentur berät sie mittlerweile den „Arbeitskreis Kernenergie“.

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