Entwicklung

Wenn der Roboter kommt


„Salam Aleikum“: Dieser sprechende Roboter wurde jetzt am Flug­hafen Dubai für einen Menschen gehalten. Foto: ddp

Programmierbare Helfer sind jetzt im Service-Bereich auf dem Vormarsch

Flughafen Dubai, 8. Februar: Eine Gruppe Wissenschaftler begleitet einen Scheich, der im Rollstuhl sitzt, ins Flugzeug. Der ist ein Roboter – und keiner merkt’s! Die Nachricht ging um die Welt. Passiert so was jetzt öfter?

Immerhin: „Service-Roboter“, die für Dienstleistungsaufgaben eingesetzt werden, sind im gewerblichen Bereich massiv auf dem Vormarsch. Der Roboter-Weltverband IFR berichtet in einer aktuellen Studie: „Ihr Potenzial ist enorm.“ Und meint vor allem den wirtschaftlichen Aspekt. Bis Anfang 2009 seien insgesamt 63000 Stück verkauft worden, Gesamtwert: 7,4 Milliarden Euro. Bis 2012 sollen es schon 112.000 Roboter sein.

Sie operieren sogar Kreuzbandrisse

Scheich „Sina“ kann Fragen beantworten, soll in Hotels und Einkaufszentren Besucher betreuen. Ein typischer gewerblicher Service-Roboter ist er nicht, zumal die wenigsten menschenähnlich aussehen. Um mal eine Vorstellung davon zu vermitteln, was sie in aller Welt so treiben: Sie betreuen Demenzkranke, melken Kühe, putzen Glasfassaden, bergen Schiff-Wracks. Und operieren. Kein Scherz: In immer mehr Operationssälen schwingen Roboter das Skalpell, auch wenn sie nicht so aussehen.

Mehr als 30 Prozent der Service-Roboter arbeiten im Bereich Verteidigung, Rettung und Sicherheit, sie räumen etwa Minenfelder. 23 Prozent helfen in der Landwirtschaft, vor allem beim Ernten und Melken. Die Übrigen machen beispielsweise sauber oder sie kommen im medizinischen Bereich zum Einsatz.

Wie die Robbe „Paro“ aus Japan. Demenzkranke sind von ihr begeistert, unter anderem im Christinen-Stift Baden-Baden. Der Roboter reagiert auf Zuwendung und ist für rund  4.000 Euro zu haben. Heimleiterin Monika Kimmig ist zufrieden: „Er hilft uns immer wieder, Kontakt zu Menschen herzustellen, die in sich zurückgezogen sind.“

Martin Hägele ist Roboter-Experte am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung in Stuttgart. Er sagt: „Man darf die Marktentwicklung der Service-Roboter, auch wenn sie in vielen Fällen nur in sehr spezialisierten Anwendungen eingesetzt werden, auf keinen Fall unterschätzen.“ Technisch seien viele Roboter verlässlich. 

Oftmals setzt der Preis größerer Verbreitung Grenzen. Hägele: „Ein Melk-Roboter kostet bis zu 200.000 Euro. Dafür arbeitet er rund um die Uhr.“ 150.00 dieser Anlagen gibt es schon.

Forscher Hägele hat selbst einen Mitarbeiter mit elektronischem Gehirn, Arm und Greifer – der „Care-O-bot“ bewohnt im Fraunhofer-Institut zwei Zimmer, kann unter anderem bedienen und Dinge suchen. Er ist Teil eines Experiments, einen Roboter zum Einsatz in Alltagsumgebungen zu entwickeln.

Lust bekommen auf eine elektronische Putzfrau? Roboter für den Privatgebrauch werden in der Statistik separat erfasst, wegen ihres ganz anderen Preis- und Marketing-Konzepts. Der Verband IFR schätzt, dass davon 2009 bis 2012 fast zwölf Millionen Stück verkauft werden. Ein Staubsauger-Roboter ist in Deutschland auch schon ab rund 300 Euro zu haben.

Nehmen sie uns die Jobs weg?

In der Industrie sind Roboter längst etabliert: Bis Anfang 2009 gab es weltweit mehr als eine Million. Pro Jahr kommen um die 100.000 dazu.

Der Roboter – ein Jobkiller? Hägele winkt ab, verweist auf die Industrie: Da habe die Verbreitung des Roboters schon in den 80er-Jahren massiv zugenommen. Das Jobkiller-Argument war einmal, sagt er: „Wenn wir heute nicht mit Robotern Autos produzieren würden, würden hier kaum noch Autos hergestellt.“

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