Viel verlangt von Deutschland

Weniger Jobs, mehr Inflation – der Preis der Euro-Rettung?

Herausgeber Ulrich Brodersen

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit, ja Dreistigkeit in letzter Zeit von Deutschland verlangt wird, zum eigenen Schaden für schwächelnde Euro-Länder die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Das zeigt sich in unterschiedlichen Facetten:

  • Unverhohlen wurde von ausländischen Politikern angemahnt: Man solle doch bitte schön die deutschen Löhne kräftiger steigen lassen – auf dass sich die Wettbewerbsfähigkeit verschlechtere. Die Zielrichtung ist klar: Deutschland soll weniger Waren in die überschuldeten Staaten exportieren, mehr von dort kaufen. Und letztlich Arbeitsplätze opfern.
  • Regierungschefs und EU-Repräsentanten üben zunehmenden Druck auf Kanzlerin Angela Merkel aus. Diese Kritiker stört, dass sie die Zahlung weiterer Hilfsgelder an wirklich strikte Auflagen knüpfen will – also an Schritte zur Haushaltssanierung und an Reformen, etwa die Flexibilisierung des Arbeitsmarkts.
  • Ein weiterer Ansatz, bisher noch etwas im Verborgenen, ist die Forderung einiger ausländischer Notenbanker, in Deutschland solle es künftig mehr Inflation geben. Die Begründung klingt erst mal unverfänglich: Die Europäische Zentralbank strebt mittels ihrer Geldpolitik ja eine Teuerungsrate von knapp unter 2 Prozent an. Das gilt als stabile Preisentwicklung – und bezieht sich auf den Euro-Raum insgesamt. Da die Inflation in den von Rezession geplagten südeuropäischen Ländern wohl bis auf Weiteres unter diesem Durchschnittswert liege, müsse sie in Deutschland logischerweise darüber liegen.

Diese mechanistisch anmutende Argumentation hat einen tückischen Hintergrund. Stärkerem Preisdruck folgen in der Regel höhere Lohnforderungen: Selbst wenn die in Punkt eins erwähnten Politiker-Forderungen wirkungslos blieben – über diesen Umweg würde das Ziel, unsere Wettbewerbsfähigkeit zu schwächen, durch die Hintertür erreicht. Es geht hier um die Zukunft des Industrie-Standorts.

Zwar mag es in der Tat sein, dass die Preise bei uns auch mal schneller steigen als anderswo. Aber wir sollten keinesfalls einer bewussten Abkehr von stabilitätsorientierter Geldpolitik das Wort reden. Und was die unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeit angeht: Um die anzugleichen, gibt es prinzipiell ja zwei Möglichkeiten – das obere Niveau absenken oder das untere anheben. Wie wäre es, wenn sich die schwächelnden Länder einfach mal auf Letzteres konzentrierten? Anstrengungen zur Steigerung der Produktivität wären da ein vielversprechender Ansatz.


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