Wasser

Wenig los in der Röhre

Leuchtendes Beispiel: Der 1890 eröffnete Kronleuchtersaal in der Kanalisation von Köln steht unter Denkmalschutz. Foto: Savin

Die Deutschen sparen Wasser – aber das hat Nachteile


Düsseldorf/Berlin/Mülheim.
Moderne Waschmaschinen und Geschirrspüler kommen mit weniger Wasser als ihre Vorgänger aus. Die Stopp-Taste an Toilettenspülungen und Duschköpfe, die Luft dazumischen, senken den Verbrauch ebenfalls.

Doch das Geizen mit dem nassen Element hat Nachteile: Wenn wenig Trinkwasser fließt und es längere Zeit in den Leitungen „steht“, können sich Krankheitserreger bilden. Und wenn in der Kanalisation das Abwasser nur vor sich hindümpelt, kann es ganz schön zum Himmel stinken.

Wie vor einem Jahr in Düsseldorf: In der Altstadt musste Frischwasser mit Hochdruck durch die Kanäle gespült werden, um die dicke Luft zu vertreiben. In regenarmen Wochen war zu wenig von der Schmutzbrühe durch die Leitungen geplätschert.

Schwefelsäure greift Betonleitungen an


„Das war zwar eine einmalige Aktion“, berichtet Claus Henning Rolfs, der Leiter des Stadtentwässerungsbetriebs. „Aber an einzelnen Stellen müssen wir jetzt schon ein paar Mal im Jahr spülen, um Ablagerungen zu verhindern.“ Früher sei das im ganzen Kanalnetz nur alle drei Jahre notwendig gewesen.

In aufgestauten Schlamm-Ablagerungen produzieren Bakterien Schwefelsäure. Und diese frisst die Betonröhren an. „Das ist echt ein Problem“, klagt Rolfs, „der Aufwand für die Instandhaltung wächst.“ Grund für den schwachen Durchfluss ist in manchen Regionen aber nicht nur Sparen. „Das liegt auch an der demografischen Entwicklung“, erklärt Jan Ulland vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in Berlin.

Weniger Leute verbrauchen einfach weniger: Das mache sich vor allem in Ostdeutschland bemerkbar, wo in einigen Orten ganze Wohngebiete verwaist seien und zum Teil bereits abgerissen würden. „Aber auch in manchen Regionen im Westen schrumpft die Bevölkerungszahl“, fügt Ulland hinzu.

Für die Wasserversorger und Abwasser-Unternehmen wird es so immer schwerer, die Kosten zu decken. Der BDEW empfiehlt deshalb ein neues Abrechnungsmodell. „Der feste Grundpreis sollte einen höheren Anteil ausmachen“, sagt Ulland. „Im Gegenzug müsste der Preis für die Wassermenge sinken.“

In unserer Klimazone besteht kein Mangel


Die Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft (RWW) in Mülheim/Ruhr, die 825.000 Menschen versorgt, hat Anfang 2012 den Tarif für ihre Kunden in diese Richtung geändert. Der Preis je Kubikmeter Wasser (1.000 Liter) sank von 1,62 Euro auf 1,21 Euro. Der Grundpreis stieg dagegen – etwa in einem Mietshaus mit acht Wohnungen von 246 auf 519 Euro im Monat.

„Insgesamt ändert sich für viele kaum etwas“, berichtet Ramon Steggink von der RWW. Für das Unternehmen hat der neue Bezahl-Modus aber einen großen Vorteil: „Weitere Rückgänge des Verbrauchs können wir betriebswirtschaftlich besser auffangen.“ Denn der Grundpreis deckt jetzt die Hälfte der fixen Kosten – vor allem für Personal und Instandhaltung. Bisher war es nur ein Fünftel.

Steggink und andere Fachleute fordern zwar nicht dazu auf, Wasser zu verschwenden, um „Leitungsprobleme“ zu verhindern. Doch das Sparen solle im Rahmen bleiben, denn in unserer Klimazone gebe es genügend Wasser.

„Und das gebrauchte ist ja nicht weg“, betont Ulland vom BDEW. „Im Kreislauf kommt es in die Kläranlage und dann sauber zurück in die Flüsse und Seen.“


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Schlagwörter: Rohstoffe

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