Themen-Special: Standort Bayern

Weltweiter Wettbewerb: Wie robust ist die bayerische Industrie?

München. Billiger Euro, billiges Öl, billige Zinsen: Gleich dreifach schiebt eine extreme Ausnahmesituation die Konjunktur in Bayern an. Unsere Betriebe werden bei den Energie- und Kreditkosten entlastet und können dank des schwachen Euro-Kurses ihre Produkte in Übersee oft preiswerter anbieten. Doch trotz dieses Dopings: Die Kraft lässt nach!

Nur noch hauchdünn liegen im größten Industriezweig Metall und Elektro die Wachstumserwartungen im Plus – was das Inland angeht. Die neueste Konjunkturumfrage der Arbeitgeberverbände bayme und vbm machte das deutlich: Gerade mal 9 Prozent der Firmen wollen in den nächsten Monaten daheim ihre Investitionen ausweiten, zu Jahresbeginn waren es 24 Prozent.

Dagegen boomt die Investitionsplanung für die Werke im Ausland. Bertram Brossardt, der Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände, bringt die Lage so auf den Punkt: „Während sich im Inland bei Produktion und Investitionen kaum etwas tut, fahren die Unternehmen für ihre Auslandsstandorte eine klare Expansionsstrategie.“

Im März berichtete AKTIV aus dem BMW-Werk in Spartanburg im US-Bundesstaat South Carolina (zum Nachlesen und mit Video). Für 1 Milliarde Dollar wird es gerade zum weltgrößten Werk des Autobauers ausgebaut. Damit liegt BMW im Trend: 49 Prozent der bayerischen Metall- und Elektrounternehmen planen aktuell eine Ausweitung ihrer Investitionen im Ausland – zu Jahresbeginn waren es 32 Prozent.

Bisher geht das nicht zulasten der Arbeitsplätze in Bayern, im Gegenteil: Die Stammbelegschaften der Branche übertrafen im April erstmals seit 23 Jahren die Größe von 800.000 Beschäftigten. Bis Juni stieg die Zahl weiter auf 803.000 an – damit entstanden im Verlauf der ersten Jahreshälfte 11.000 zusätzliche Stellen. Für das Gesamtjahr 2015 rechnen die Verbände mit 20.000 Stellen.

„Die Unternehmen stehen im Moment gut da“, stellt Brossardt klar. „Das darf aber nicht über die gewaltigen Herausforderungen hinwegtäuschen.“ Die zuletzt schwache Entwicklung der globalen Wirtschaft und die Unsicherheit durch geopolitische Krisen sorgen dafür, dass der Schwung im Exportgeschäft offensichtlich ausläuft. Zu Jahresbeginn erwarteten noch 24 Prozent der Firmen steigende und nur 8 Prozent sinkende Ausfuhren – doch inzwischen rechnen nur noch 8 Prozent mit einem Export-Anstieg und 18 Prozent mit einem Rückgang!

Vor diesem Hintergrund bekommt die Standort-Debatte zusätzliche Bedeutung: Wie schafft es unsere heimische Industrie auf Dauer, sich trotz der hohen Arbeitskosten im globalen Wettbewerb zu behaupten? Welche Freiräume brauchen die Unternehmen, um die Wettbewerbsfähigkeit – und damit auch die hohe Beschäftigung – auch für die Zukunft zu sichern? Und wie lässt sich die Erfolgsgeschichte des Flächentarifvertrags, der de facto für den Großteil der Betriebe Bezahlung und Arbeitsbedingungen einheitlich regelt, fortschreiben?

Der gedopte Aufschwung der letzten Zeit hat solche Fragen etwas in den Hintergrund gerückt. Dabei gibt es bei den Investitionen der Betriebe in Bayern schon seit längerem Defizite, wie eine große Studie belegt. Lesen Sie mehr dazu in den folgenden Artikeln.


Die weiteren Artikel des Themen-Specials Standort Bayern:

Eine aktuelle Studie zeigt: Bayerns Firmen investieren derzeit vor allem im Ausland. Die heimischen Standorte vernachlässigen sie. Der Grund dafür sind vor allem die hohen Kosten. Aber das muss nicht so bleiben.

Für viele Unternehmen ist mit dem aktuellen Niveau der Arbeitskosten die Schmerzgrenze erreicht. Sie investieren aus Kostengründen auch im Ausland. Ein Streifzug durch Bayerns Metall- und Elektroindustrie.

Wie wettbewerbsfähig ist der Industriestandort Bayern? Und wie steht es um die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter? Ein Überblick über einige wichtige und interessante Wirtschaftskennzahlen.

Das Beispiel der Leichtmetallgießerei Schulte & Schmidt in Nürnberg zeigt, wie Arbeitsplätze in Bayern gesichert werden können. Auch wenn ein Teil der Produktion aus Kostengründen schon in Rumänien ist.

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