Pharma-Forschung

Weltneuheit: Erste MS-Pille


Pharmahersteller Merck hat bei Multiple Sklerose die Nase vorn

Darmstadt. Tabletten statt Spritzen, hohe Wirksamkeit, weniger Nebenwirkungen: Mit einem neuen Medikament ge­gen Multiple Sklerose (MS) setzt der Chemie- und Pharma-Konzern Merck in Darmstadt neue Maßstäbe. Die Weltneuheit beweist: Deutsche Unternehmen spielen bei der Pharma-Forschung ganz vorne mit. Die Zulassung der Tablette (Wirkstoff „Cladribin“) soll in Kürze erfolgen, 2010 könnte es in den Apotheken sein.

Eine, die das schwere Los der MS-Kranken kennt, ist Nathalie Todenhöfer (22) aus München: „Eines morgens bin ich aufgewacht und spürte meine Beine nicht mehr, die ganze linke Körperhälfte war taub“, erzählt die junge Frau. Erst dachte sie: „Na, das sind die Folgen der langen Nacht in der Disco.“ Später folgte die er­nüchternde Diagnose: Multip­le Sklerose.

Die Krankheit ausbremsen

Die Erkrankung von Gehirn und Rückenmark führt in Schüben zu Nervenschmerzen, Sehstörungen und Lähmungen. In Deutschland sind rund 120.000 Menschen davon be­troffen, weltweit sind es 2,5 Mil­lionen, so die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Heilen kann man die Krankheit noch nicht. Wohl aber aufhalten. Ziel der Forscher ist es daher, die Schübe auszubremsen, um eine dauerhafte Behinderung zu vermeiden.

Bisher mussten sich die Patienten regelmäßig Spritzen setzen. Nun entwickelten Forscher bei Merck eine Tablette, die man einfach einnehmen kann. Das ist eine große Er­leichterung. Zudem zeigt das Mittel in bisherigen Studien eine sehr positive Wirkung:

Die aufgetretenen Krankheitsschübe reduzierten sich um 58 Prozent gegenüber der Vergleichsgruppe.

Jetzt will man die Zulassung der Arznei beschleunigen:

„Wir planen, Cladribin-Tabletten Mitte 2009 bei den Gesundheitsbehörden zur Zulassung einzureichen“, so Pharma-Chef Elmar Schnee.

Stiftung für MS-Patienten

Und wie wirkt das Medikament? „Cladribin reduziert zielgerichtet den Anteil von Immunzellen im Blut. Diese Lymphozyten spielen bei der Entstehung von Multipler Sklerose eine große Rolle“, sagt Bruno Musch, Leiter der Klinischen Entwicklung Neurologie bei Merck.

Was für Patienten ein Segen ist, könnte sich auch für Merck auszahlen: Experten rechnen mit Spitzenumsätzen von rund 1,2 Milliarden Euro jährlich.

Nathalie bekämpft ihre Krankheit übrigens auf ganz besondere Weise: Sie hat mit Hilfe ihrer Eltern eine Stiftung ins Leben gerufen, um allen Betroffenen zu helfen.

Ihre Hoffnung: „Vielleicht kann man eines Tages mit neuen Medikamenten oder einer Stammzellen-Therapie sogar un­­sere zerstörten Nervenbahnen heilen ...“ (www.nathalie-todenhoefer-stiftung.de)

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