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Freie Daten als Chance

Welche cleveren Projekte zwei Start-ups mithilfe offener Daten gestartet haben

Behörden sammeln für ihre Statistik unzählige Daten. Die bleiben häufig unter Verschluss. Wenn sie allen öffentlich zur Verfügung gestellt werden, bieten sie die Basis für neue Geschäftsideen.

Behörden erheben unzählige statistische Daten. Sie können die Basis für neue Geschäftsideen sein. Foto: AdobeStock

Behörden erheben unzählige statistische Daten. Sie können die Basis für neue Geschäftsideen sein. Foto: AdobeStock

Mit der App Parkpocket finden Stadtbesucher schnell einen freien Parkplatz. Foto: Screenshot

Mit der App Parkpocket finden Stadtbesucher schnell einen freien Parkplatz. Foto: Screenshot

Für die App "PegelAlarm" nutzt das österreichische Start-up Sobos freie Daten von Feuerwehren, Messtationsbetreibern, Ländern, Kommunen und anderen öffentlichen Einrichtungen. Foto: Screenshot

Für die App "PegelAlarm" nutzt das österreichische Start-up Sobos freie Daten von Feuerwehren, Messtationsbetreibern, Ländern, Kommunen und anderen öffentlichen Einrichtungen. Foto: Screenshot

München. Wer noch vor wenigen Jahren bei der alljährlichen Schneeschmelze wissen wollte, ob sein Haus in Donau-Nähe demnächst in den Hochwasserfluten untergeht, der musste sich schon Richtung Ufer begeben und einen Blick auf den Pegelstand werfen. Das geht heute alles viel einfacher: etwa mithilfe von Apps wie PegelAlarm.

Die App ist eine Erfindung des österreichischen Start-ups „Sobos“ aus Linz an der Donau. Sie bietet ein hochpräzises, zeitnahes Bild der Situation an den Flüssen in Bayern sowie anderen Bundesländern und europäischen Staaten – und warnt den Nutzer vor möglichen Gefahren.

Möglich ist dies Dank frei verfügbarer Daten: von Feuerwehren, Messstationsbetreibern, Ländern, Gemeinden und anderen öffentlichen Einrichtungen, die das Unternehmen sammelt, sinnvoll miteinander verknüpft und in Form einer App als Informationsquelle zur Verfügung stellt.

Neue Apps auf Basis freier Satellitendaten

Gerade Bund, Länder und Gemeinden gehören zu den größten Datensammlern in Deutschland – und das ganz legal zu statistischen Zwecken. Die Datensätze sind oft komplex. Doch sie sind ein wertvoller Rohstoff, der die Basis für clevere Geschäftsideen bietet. Mit Open Data können etwa Projekte besser geplant, Prozesse effizienter gestaltet und neue Dienstleistungen entwickelt werden.

Eine Studie der Europäischen Kommission schätzt allein für die Jahre 2016 bis 2020 das Marktpotenzial öffentlicher Daten für die EU und die Europäische Freihandelszone auf 325 Milliarden Euro! Schon 2016 bestanden rund 75.000 Jobs im Umfeld von Open Data, Tendenz steigend.

629 Millionen Stunden Wartezeit im Stau pro Jahr in der EU können durch Open Data vermieden werden

Die Einsatzgebiete für Dienstleistungen mithilfe von Open Data sind extrem vielfältig. Allein aus Daten von Wetterstationen, Satellitenbildern oder geografischen Angaben lassen sich unzählige Anwendungen basteln, etwa für Landwirte, die dadurch effizienter düngen können. Laut Studie der Europäischen Kommission lohnen sich neue Apps auch im Verkehrswesen: Pro Jahr könnten EU-weit 1.425 Verkehrstote vermieden werden. Auch die Wartezeit im Stau wird weniger: 629 Millionen Stunden Wartezeit pro Jahr lassen sich sparen.

Voraussetzung dafür ist, dass die Daten offen zur Verfügung stehen – und zwar maschinenlesbar und kontinuierlich aktualisiert. Eine Hochwasser-App macht zum Beispiel nur Sinn, wenn der Nutzer in Echtzeit den aktuellen Pegelstand erfährt. Dafür müssen jedoch die dahinterliegenden Datenbestände laufend neu eingespeist werden. Auch Ländergrenzen oder gar nationale Beschränkungen wirken gerade bei Flusswasserständen störend: Hier gilt es, auf europäischer Ebene einheitliche Regelungen zu finden.

Wie erfolgreich Geschäftsideen auf Open-Data-Basis sein können, hat etwa Stefan Bader bewiesen. Er und sein Team hatten es sich 2013 in den Kopf gesetzt, das Parkproblem in Innenstädten zu lösen. Also ging er hin und sammelte Daten. Städtische Parkhäuser waren die ersten, die ihm in Echtzeit die Infos lieferten, wie viele Autos gerade im Parkhaus stehen. Private Betreiber sprangen auf, und so skizzierte Bader nach und nach ein komplexes Bild, wo es sich lohnt, nach einem freien Stellplatz Ausschau zu halten: die App ParkPocket war geboren.

Das Programm des jungen Start-ups überzeugte – und zwar nicht nur die Nutzer, sondern auch der Automobilzulieferer Continental wurde auf die Münchner aufmerksam. Im vergangenen Herbst übernahm er das Start-up und will damit seine eigenen Fähigkeiten im Bereich Smart Parking ausbauen.

Stefan Bader denkt indes schon weiter: Wenn nicht nur Infos aus Parkhäusern, sondern auch etwa über freie Parkplätze am Straßenrand hinzukämen, wäre das Angebot noch umfassender. Dafür müssten weitere Daten anonymisiert zur Verfügung stehen: etwa gesendet von den parkenden Autos selber, von intelligenten Straßenlaternen, Parkscheinautomaten oder den Smartphones der Autofahrer. Er ist überzeugt: „Da geht noch einiges.“


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Ärgerlich, wenn man nach abgelaufener Parkzeit zurück zum Auto kommt und dort schon der Strafzettel wartet. Viele Fahrer zahlen deshalb sicherheitshalber zu viel Parkgebühren. Beides muss in vielen deutschen Städten aber nicht mehr sein.

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