Weniger Energieverbrauch im Haus

Welche Änderungen die neue Energie-Einsparverordnung bringt


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Berlin. Jetzt also doch: Nachtspeicheröfen dürfen bleiben. Die Geräte, die als teure Stromfresser gelten, sollten eigentlich bis 2019 abgeschafft werden. Doch nun hat der Bundestag das geplante Verbot gekippt. Grund ist die Neuauflage der Energieeinsparverordnung (EnEV), die voraussichtlich 2014 in Kraft tritt. Sie setzt eine neue EU-Richtlinie zur Energieeffizienz in Gebäuden um und erlaubt den Betrieb der Stromheizungen weiterhin.

Heizen mit Wind

Die elektrischen Heizungen – 1,5 Millionen gibt’s davon in Deutschland – sollen eine neue Rolle in der Energiewende spielen, so die Idee der Energieversorger. Sie wollen die Geräte zu Wärmespeichern umfunktionieren, um die schwankenden Strommengen aus Windkraft und Sonne aufzunehmen. Dazu werden die Anlagen mit einer speziellen Steuerelektronik nachgerüstet. Diese lädt nicht wie bisher zu starren Zeiten in der Nacht, sondern flexibel. Beispielsweise dann, wenn der Wind gerade kräftig weht, somit überschüssiger Ökostrom vorhanden und der Preis niedrig ist. Energieversorger RWE will die flexiblen Stromspeicher unter dem Namen „Windheizung“ vermarkten und testet sie derzeit in 50 Haushalten in Essen.

Noch mehr neue Vorschriften

Die Wiederbelebung der Nachtspeicheröfen ist nicht die einzige Änderung, die „EnEV 2014“ für Bauherren und Hausbesitzer bringt. Zuletzt wurden die Vorschriften 2009 verschärft. Damals wurden unter anderem strengere Dämmrichtlinien für Dächer beschlossen.

Bis 2020 ein Fünftel weniger Energieverbrauch

Deutschland hat „noch ziemliche Einsparreserven, was den Energieverbrauch anbelangt“, ermuntert Bundesbauminister Peter Ramsauer die Bürger zu noch mehr Investitionen in die Energieeffizienz im Haus. Denn die 20 Millionen Gebäude, davon 18 Millionen Wohnhäuser, schlucken noch immer 40 Prozent des gesamten Primärenergiebedarfs. Das soll sich ändern: Bis 2020 soll der Energieverbrauch in den Wohnhäusern um ein Fünftel sinken, so will es die Regierung. Und bis im Jahr 2050 soll der gesamte Gebäudebestand sogar nahezu klimaneutral sein, also praktisch keine Energie mehr verbrauchen oder zumindest nur solche aus erneuerbaren Quellen wie Sonne und Wind.

Strengere Regeln für Neubauten

Besitzer von Altbauten haben mit der „EnEV 2014“ keine neuen Nachrüstpflichten zu befürchten. Für Neubauten gelten dagegen bald strengere Standards. Beispielsweise werden die Mindestanforderungen für den Wärmeschutz der Gebäudehülle erhöht. Hintergrund: Je besser ein Haus isoliert ist, desto weniger Energie braucht es zum Beispiel zum Heizen.

So wird der zulässige mittlere Wärmekoeffizient, der durch die Wärmeleitfähigkeit und Dicke der verwendeten Materialien bestimmt wird, um ein Zehntel gesenkt. Ramsauer: „Ich will Deutschland nicht zu Tode dämmen. Aber ich will aus den Gebäuden herausholen, was wirtschaftlich durch Anreize, wie KfW-Kredite vernünftig machbar ist.“ Die Förderprogramme zur energetischen Sanierung im Eigenheim von jährlich 1,5 Milliarden Euro wurden dazu bis einschließlich 2014 verlängert. Über zusätzliche Steuererleichterungen wird diskutiert.

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Zweite wichtige Änderung: In zwei Stufen wird der zulässige Jahres-Primärenergiebedarf in Neubauten 2014 und 2016 um jeweils 12,5 Prozent, also insgesamt 25 Prozent gesenkt. Der Primärenergiebedarf ist die Energiemenge, die man zur Deckung des Endenergiebedarfs im Haus (Heizen, Lüften, Kühlen, Beleuchten) benötigt. In der Berechnung wird auch jene Energie mitgezählt, die bei Gewinnung, Umwandlung und Transport entsteht.

Energieausweis: Vorlage ist Pflicht

Die dritte wichtige Änderung betrifft den Energieausweis. In Immobilienanzeigen müssen künftig die Kennwerte aus dem amtlichen Dokument angegeben werden. Daran können potentielle Käufer und Mieter sehen, wie sparsam ein Haus hinsichtlich seines Energieverbrauchs ist. Die Bundesländer sollen die Ausweise in Stichproben kontrollieren.

Ramsauer: „Für die Förderung kann man auch eine gewisse Gegenleistung erwarten, nämlich dass Baumaßnahmen, die zur energetischen Sanierung gemacht wurden, auch belegt sind.“ Das kann zudem für die Eigentümer von Vorteil sein, wenn sie Haus oder eine Wohnung vermieten oder verkaufen möchten. Mit dem amtlichen Ausweis haben sie schwarz auf weiß, was ihr Gebäude von der Energieeffizienz zu bieten hat.

Datum des Bauantrags zählt

Der Kabinettsentwurf zur EnEV 2014 wird voraussichtlich am 7. Juli 2013 abschließend beraten. Bis die neue Verordnung mit den strengeren Standards in Kraft tritt, voraussichtlich Anfang nächsten Jahres, gelten noch die Regelungen der Vorgängerfassung (EnEV 2009). Achtung: Für Bauvorhaben, für die man eine Baugenehmigung braucht oder eine Bauanzeige stellen muss, entscheidet das Datum des Antrags, welche EnEV-Fassung gilt. Für Bauvorhaben, bei denen Bauherr oder Eigentümer weder das eine noch das andere benötigen, zählt das Datum, zu dem tatsächlich mit den Baumaßnahmen begonnen wird.

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