Alternative Antriebe

Wasserstoff statt Sprit: 400 öffentliche Zapfsäulen schon in wenigen Jahren

München. Wir wollen Mobilität, aber Erdöl ist teuer und nicht unendlich. Deshalb suchen Wissenschaftler nach Alternativen wie Erdgas, Bioethanol, Strom – und jetzt auch Wasserstoff (H2)! 50 öffentliche Zapfsäulen soll es Ende nächsten Jahres geben. 400 sind bis zum Jahr 2023 geplant, alle 90 Autobahnkilometer eine. Aktuell sind es 12 H2-Tankstellen, die weltgrößte steht in Berlin.

Das erste Wasserstoff-Serienauto ist auch schon in Sicht: Toyota will im kommenden Jahr ein Modell für 50.000 Euro in Japan auf den Markt bringen.

Wasserstoff statt Sprit: Ein Unternehmen, das sich dem Thema verschrieben hat, ist der Erdöl- und Erdgas-Spezialist OMV. „Am Wasserstoff wird man in Zukunft nicht vorbeikommen, wenn es um Antriebe geht“, sagt Walter Böhme, Leiter Innovationsmanagement.

Der Konzern mit Standort in München gehört zu der Industrie-Initiative „H2 Mobilität“, einem Zusammenschluss von Air Liquide, Daimler, Linde, OMV, Shell und Total. 350 Millionen Euro kostet deren gemeinsames Projekt zum Aufbau des bundesweiten Tankstellennetzes.

Es handelt sich um das häufigste Element im Universum


Neue Generation: Die Brennstoffzelle des Toyota FCV wird mit Wasserstoff angetrieben. Foto: dpa
Neue Generation: Die Brennstoffzelle des Toyota FCV wird mit Wasserstoff angetrieben. Foto: dpa

In zehn Jahren soll eine halbe Million Brennstoffzellen-Pkws auf Deutschlands Straßen unterwegs sein. Mit 20 Millionen Euro will OMV nun die Entwicklung vorantreiben. Die hat der Konzern im österreichischen Schwechat investiert, wo er pro Jahr 100.000 Tonnen Wasserstoff produziert: „Das reicht – bei einer Fahrleistung von 13.000 Kilometern pro Jahr – für 850.000 Autos“, rechnet Böhme vor.

Grundlage für die Herstellung von Wasserstoff ist Erdgas, möglich wäre aber auch eine Produktion aus Biomasse oder mithilfe der Elektrolyse von Wasser. Die Vorteile des alternativen Antriebs:

Mehr Power. Ein Kilo Gas hat knapp den dreifachen Energiegehalt wie Benzin oder Diesel. Verglichen mit der Energie, die ein ein Kilo schwerer Akku speichern kann, ist es sogar der 300-fache Energiegehalt.

Doppelte Effizienz. Die Brennstoffzelle kann die chemische Energie deutlich effizienter nutzen als ein Verbrennungsmotor, daher vermindern sich auch die Emissionen des klimaschädlichen CO2 selbst bei Verwendung von fossilem Wasserstoff, also aus Erdgas, um die Hälfte.

Keine Abgase. Eine chemische Reaktion von Wasserstoff mit Sauerstoff erzeugt elektrische Energie. Diese treibt einen Elektromotor an. Aus dem Auspuff qualmt statt rußiger Abgase nur Wasserdampf.

Großer Radius. Die Reichweite einer „Tankfüllung“ bleibt mit rund 500 Kilometern im Vergleich zum Benziner relativ unverändert. „Heute brauchen die Autos rund ein Kilo Wasserstoff auf 100 Kilometer“, meint der Experte, „und morgen weniger.“

Schnelles Tanken. „Die Betankung dauert drei Minuten, dann sind fünf, sechs Kilo im Auto“, so Böhme. E-Autos hängen dagegen viele Stunden an der Steckdose.

Privat fährt OMV-Manager Böhme ein Hybridauto, mit Elektro- und Verbrennungsmotor. Auf Sicht aber will er auf Wasserstoff umsteigen – auch wenn es zurzeit nur wenige Tankstellen gibt.

Woran es liegt, dass die Technik noch so wenig verbreitet ist: Fahren mit herkömmlichem Sprit ist noch deutlich billiger als mit Wasserstoff – und das, obwohl der das häufigste Element im Universum ist.

Nun wollen die OMV und das Christian-Doppler-Labor an der Uni Cambridge in England das Verfahren revolutionieren und den begehrten Stoff günstig mit Sonnenenergie aus Wasser gewinnen. Bis zum großen Durchbruch werden aber noch „10 bis 20 Jahre“ vergehen, so Böhme.

Fakten

Alternative Antriebe noch selten

  • Aktuell sind laut Kraftfahrt-Bundesamt bundesweit knapp 44 Millionen Pkws unterwegs, nur 1,6 Prozent davon fahren mit alternativem Antrieb.
  • Benziner: 30 Millionen
  • Diesel: 13,2 Millionen
  • Flüssiggas: 500.000
  • Hybrid: 86.000
  • Erdgas: 79.000
  • Elektro: 12.000
  • Wasserstoff: 14

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