Standpunkt

Was wirklich sozial ist

Oft ausgeblendet: Die echte Quelle unseres Wohlstands

Wer arbeitet, produziert was für seine Mitmenschen – und ist damit automatisch gemeinnützig. Das findet der frühere Chef des Verfassungsgerichts, Paul Kirchhof. Er formuliert es nur etwas anspruchsvoller, schließlich ist er Professor. Er sagt: „Das Sozialste ist die Leistungskraft der Menschen in der arbeitsteiligen Gesellschaft.“

Nun gehört die Leistungskraft eines Menschen im Regelfall in den Dienst seines Eigennutzes: Wie sonst sollte er sich und seine Familie auf saubere Weise alimen tieren? Es gibt nur eine Art Leistungskraft, die in Verfolgung von Eigennutz von vornherein und unmittelbar Sozialnutzen stiftet: die von Unternehmern.

Das wird oft verkannt. Allenfalls wird bemerkt, dass nur so die Versorgung der Verbraucher ermöglicht wird. Doch auch die „arbeitsteilige Gesellschaft“, die der Professor offenbar als ganz  selbstverständlich voraussetzt, wird durch die Unternehmer überhaupt erst ermöglicht.

In einer Gesamtwirtschaft mit ihren zigmillionen Erwerbsfähigen kann nur eine Minderheit „selbstständig“ sein – also auf eigene Rechnung Leistungen erstellen und vermarkten. Die meisten bleiben auf Vermarktung ihrer puren Leistungskraft angewiesen, die noch nicht hinreichend auf bestimmte Leistungen ausgerichtet ist. Wer als Arbeitnehmer in einem Unternehmen eingestellt wird, dem bleibt das Austüfteln eines Gutes erspart, mit dessen Vermarktung er den Lebensunterhalt bestreiten könnte. Und das Einwerben von Kundschaft.

Für beides sorgt die unternehmerische Leistungskraft. Erst durch sie wird die Leistungskraft des Einzelnen wirklich „sozial“. Als Arbeitsloser kann er sie für sich selbst nutzen, aber sozialnützlich ist sie nicht, denn sie ist nicht in die Erstellung von begehrten Gütern eingebunden.

Gewiss: Zur Einbindung von Arbeitnehmern veranlasst den Unternehmer nicht seine soziale Ader, sondern Profitstreben. Der Grundirrtum der Sozialisten aller Zeiten besteht darin, dieses Motiv zu verdammen („Ausbeutung!“), anstatt den Erfolg zu sehen: das Erstehen einer Wirtschaftsgesellschaft, in der ein jeder mit seiner Leistungskraft seine Brötchen verdienen kann und darüber hinaus seit 200 Jahren immer mehr Wohlstand.

Profit, der auf diesem Weg erzielt wird, ist sozial gerechtfertigt. Soziale Aufgabe von Wettbewerbern ist es sodann, mit niedrigeren Preisen diese Marge wegzukonkurrieren – zur weiteren Mehrung des Verbrauchernutzens und damit des Gemeinwohls.


Artikelfunktionen


'' Zum Anfang