Arbeitswelt 2030

Was wir jetzt tun müssen


Bayern macht Tempo auf dem Weg in die Wissensgesellschaft

München.Flexible Fachkräfte werden in den kommenden Jahren in der deutschen Wirtschaft immer gefragter – besonders in Bayern.

Laut der aktuellen Studie „Arbeitslandschaft 2030“ des Instituts Prognos wird gerade der Freistaat auf dem Weg in die Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft Boden gutmachen. Arbeitnehmern und Unternehmen stehen große Veränderungen bevor – und Chancen.

Mehr Geld für die Bildung

„Der Strukturwandel wird viel schneller als in der Vergangenheit ablaufen“, sagt Kai Gramke, Leiter der Prognos-Studie, voraus. Sie wurde im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) erstellt. „Bayern wird Deutschland auf dem Weg in die Wissensgesellschaft sogar noch überholen“, kündigt der Experte an.

Der Studie zufolge werden im Jahr 2030 etwa 143.000 mehr Menschen in Forschung und Entwicklung tätig sein als 2004 – ein Anstieg um die Hälfte. Logische Folge: Wir brauchen mehr Geld für die Bildung. In einer sich stetig verändernden Welt gilt Wissen als der entscheidende Rohstoff für die Zukunft unseres Landes.

In einem Zehn-Punkte-Plan fordert die vbw: Kindergartenpflicht ab dem vierten Lebensjahr, flächendeckende Einführung von Ganztagsschulen und den Hochschulzugang für Absolventen einer Berufsausbildung.

Mehr Menschen an eine Ausbildung heranzuführen, ist schon seit langem das Ziel der bayerischen Unternehmen. Ein Weg: die zweijährige, verkürzte Lehre. „Sie ist ideal für eher praktisch Begabte“, erklärt Herbert Loebe, Hauptgeschäftsführer des Bildungswerks der Bayerischen Wirtschaft. „Denn eine dreieinhalbjährige Ausbildung in der Metall- und Elektro-Industrie gleicht mittlerweile schon fast der früheren Ausbildung zum Ingenieur.“ Loebe plädiert daher für eine Auffächerung der Bildungslandschaft: „Wenn manche Jugendliche die Anforderungen nicht schaffen, muss man sie eben flexibel senken.“

Meister an die Hochschule

Auf der anderen Seite, so der Experte, sollte man aber auch den Leistungsstarken aus den Betrieben den Zugang zur Hochschule gewähren: „Ihnen fehlt zu Beginn eventuell das theoretische Wissen – aber sie haben das Zeug dazu.“

Deutschland und Bayern werden jede gute Frau und jeden guten Mann brauchen, die sie kriegen können. Denn im Jahr 2030, so ist in der Studie zu lesen, könnten im schlimmsten Fall bundesweit gut 5,5 Millionen und in Bayern 1,3 Millionen Fachkräfte fehlen – mit gravierenden Folgen für die Volkswirtschaft: Das zu erwartende Wachstum würde sich in diesem Extrem-Szenario halbieren.

Um das abzuwenden, dazu sieht Gramke verschiedene Mittel. Dringend sei es, die Zahl der Hochschul-Absolventen zu steigern. „Bis 2030 benötigt Bayern 350.000 zusätzliche Absolventen.“

An Fachkräften ohne Studium fehlen Bayern im Jahr 2030 bis zu eine Million, wenn nicht gegengesteuert wird. Für denkbar hält Gramke etwa eine Ausweitung der Wochenarbeitszeit, insbesondere für Teilzeitbeschäftigte, und die Erhöhung der Erwerbsbeteiligung, vor allem von Frauen und Älteren.

Abschied von starren Berufsbildern

Nicht zuletzt wirbt Gramke auch dafür: Die Unternehmen sollten sich bei Stellenbesetzungen nicht an starren Berufsbildern orientieren. „Entscheidend ist die Eignung. Egal ob es sich um die Friseurin handelt, die mit ihren geschickten Händen Kabel in der Industrie verlegt, oder um den Bäcker, der mit seinem guten Auge für Mischverhältnisse in der Chemie arbeitet.“

Info: Die Prognos-Studie auf einen Blick

Der demografische Wandel hat Folgen für den bayerischen Stellenmarkt: Die Zahl der erwerbsfähigen Menschen im Alter von 20 bis 69 Jahren wird laut Prognos-Studie „Arbeitslandschaft 2030“ von 8,4 Millionen im Jahr 2004 auf 7,7 Millionen sinken.

Der Strukturwandel führt zu hohem „Anpassungsdruck auf Menschen und Unternehmen“, prophezeit Kai Gramke, Leiter der Studie. Bis zum Jahr 2030 sollen im Freistaat mehr als 1,2 Millionen neue Stellen im Dienstleistungssektor entstehen. Vor allem in der Datenverarbeitung, der Forschung, der Bildung, der Beratung und im Gesundheitswesen.

Erwartet wird, dass knapp 500.000 Jobs im Verarbeitenden Gewerbe verschwinden. Zum Teil werden diese Tätigkeiten freilich nur von Industrie-Betrieben ausgelagert – an Betriebe, die dann in der Statistik als „Dienstleister“ laufen. Auf dem Bau und in der Landwirtschaft arbeiten laut Studie im Jahr 2030 jeweils 150.000 Menschen weniger als 2004.

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