Extra vorsorgen?

Was welche Form der Zusatz-Pflegeversicherung taugt

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Es ist Fluch und Segen in einem: das Alter. Denn je älter wir werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, zum Pflegefall zu werden. Und wer dann ins Heim will oder muss, der muss Geld mitbringen – denn die gesetzliche Pflegeversicherung zahlt nicht etwa einfach alles.

Die Pflegekasse übernimmt nur einen Teil der Pflegekosten. Und für Unterkunft und Verpflegung im Heim, die sogenannten Hotelkosten, kommt sie gar nicht auf. Wer eine ordentliche Rente bezieht oder privat ausreichend Geld zurückgelegt hat, muss sich deswegen zwar keine Sorgen machen. Wer aber ganz sicher gehen will, kann eine private Zusatz-Pflegeversicherung abschließen.

Der Bund der Versicherten (BdV) rät, zunächst den benötigten Betrag grob abzuschätzen: „Wir gehen heute von einem monatlichen Bedarf von höchstens 3.700 Euro für Pflegestufe III im Heim aus“, sagt Hajo Köster, Versicherungsfachmann beim BdV. Davon können 1.550 Euro abgezogen werden (das ist der aktuelle Höchstbetrag, den die gesetzliche Pflegeversicherung in so einem Fall zuschießt), außerdem die Rente, gegebenenfalls zusätzliche Altersversorgungen wie etwa eine Betriebsrente und sonstige Einnahmen.

Was eventuell unterm Strich noch übrig bleibt, ist die Lücke, die durch eine private Police gedeckt werden kann. Dabei gibt es drei verschiedene Typen:

  • Pflegekostenversicherung: Sie erstattet in der Regel nur tatsächlich angefallene professionelle Pflegekosten bis zu einem bestimmten Höchstbetrag (oder Prozentsatz). Der Versicherte muss allerdings in Vorkasse gehen und dann die Rechnungen einreichen. „Bei einigen Policen werden Ausgaben für Unterkunft und Verpflegung nicht erstattet“, warnt Köster. Dafür passt sich diese Versicherung normalerweise an die allgemeine Preisentwicklung an.
  • Pflegerentenversicherung: Hier wird einfach eine monatliche Extra-Rente in vereinbarter Höhe bezahlt – auch bei der Pflege zu Hause. Zuvor ist eine Unterbrechung der Beitragszahlung möglich, außerdem gibt es zum Beispiel im Fall einer Kündigung etwas Geld zurück. Dennoch rät der BdV von dieser Variante ab: „Das Produkt ist nicht transparent“, warnt Köster, „und diese Versicherungsform ist deutlich teurer als die beiden anderen. “
  • Pflegetagegeldversicherung: Allein diese Variante wird seit Januar staatlich gefördert – wenn die Police mindestens 15 Euro im Monat kostet. 10 Euro davon bezahlt man dann selbst, 5 Euro kommen als Zuschuss dazu (und zwar ganz unabhängig vom Einkommen).

Die Versicherer dürfen keine Gesundheitsfragen stellen: Sie müssen jeden nehmen, der über 18 und bei Vertragsabschluss noch kein Pflegefall ist. Wer jung einsteigt, zahlt weniger Beitrag als der, der erst jenseits der 40 oder 50 unterschreibt. Ein früher Abschluss zahlt sich auch deshalb aus, weil die Versicherungen im Fall des Pflegefalles frühestens fünf Jahre nach Vertragsschluss erstmals leisten müssen.

Dann gibt es einen festgelegten Tagessatz: „Über den kann der Versicherte frei verfügen“, erklärt Köster. Das heißt, mit dem Geld von der Versicherung können auch die Heimposten Verpflegung und Unterkunft gezahlt werden.

Allerdings erhöht sich der vereinbarte Betrag nicht automatisch mit den steigenden Kosten – es kann also sein, dass trotz Zusatzversicherung eine Versorgungslücke bleibt. Wer das vermeiden möchte, sollte auf einen Vertrag mit „Dynamisierung“ setzen.

Generell empfiehlt es sich aber, noch eine Weile mit dem Abschluss zu warten: Die neue staatliche Förderung („Pflege-Bahr“) bringt den Markt in Bewegung – in ein paar Monaten dürfte man deutlich mehr Angebote vergleichen können als heute.

Das Gesundheitsministerium beantwortet ausführlich viele Fragen und Antworten zum Thema: www.bmg.bund.de

Mehr Leistungen für Demenzkranke und erhöhter Beitragssatz: Was uns die Pflegereform bringt, lesen Sie hier auf AKTIVonline.


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