Bildung

Was unsere Kinder nicht lernen


Kein rechter Durchblick? Bei solchen Büchern wundert das nicht. Foto: AP

Schulbücher vermitteln ein seltsames Bild der Wirtschaft

Köln. Was ist ein gerechter Lohn? Welche Chancen bietet die Globalisierung? Und wie kommt man im Leben mit dem Geld klar? Wer Schüler so etwas fragt, hört oft ein ratloses: „Woher soll ich das wissen?“

Kein Wunder: „Zentrale Wirtschaftsthemen wie die Funktion des Arbeitsmarktes, das Leistungsprinzip, die Rolle der Unternehmen und die finanzielle Selbstverantwortung werden in einschlägigen Schulbüchern meist weder ausreichend noch angemessen behandelt“, sagt Helmut Klein, Bildungsforscher am Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

„Es fehlt das kleine Einmaleins“

Klein hat 155 Schulbücher für Erdkunde, Geschichte, Politik, Wirtschafts- und Sozialkunde ausgewertet – aus fast allen Bundesländern und von allen namhaften Verlagen. Aus der Stichprobe zieht er diese Bilanz: „Viele Schulbuch-Autoren, in der Regel ökonomische Laien, blicken zu einseitig auf die Wirtschaft – und vermitteln larmoyante und pessimistische Sichtweisen.“

Das zeigt sich zum Beispiel beim Thema Strukturwandel, dem viele Lehrbücher breiten Raum geben. „Es wird dabei aber nicht erklärt, warum Unternehmen bestimmte Entscheidungen treffen“, berichtet Klein.

Arbeitslosigkeit sei ein durchgängiges Thema – doch dass nicht der Staat, sondern die Unternehmen Arbeitsplätze schaffen, komme deutlich zu kurz. Unternehmerkritische Einstellungen würden gefördert.

„Es fehlt den Autoren einfach das kleine Einmaleins der Ökonomie und damit die Fähigkeit, bei unseren Kindern für ein Grundverständnis wirtschaftlicher Zu­sammenhänge zu sorgen“, bedauert der IW-Forscher.

Der korrekte Begriff für unsere Wirtschaftsordnung, „Soziale Marktwirtschaft“, wird in jedem dritten Fall nicht einmal erwähnt.

Natürlich folgen die Schulbücher letztlich nur den Vorgaben der Lehrpläne. „In einigen Bundesländern hat es da in den letzten Jahren durchaus auch Fortschritte ge­geben“, hat Klein beobachtet. Aber unter dem Strich gelte nach wie vor: „Die Lehrpläne blenden einen Teil der wirtschaft­lichen Wirklichkeit systematisch aus.“

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