Nutzfahrzeug-Markt

Was tun, wenn die Kunden fehlen?


Hannover. An diesen Muldenkippern ist alles riesig: Reifen mit über zwei Metern Durchmesser, Motoren mit 710 PS, ein Leergewicht von 46 Tonnen! Diese Kolosse kommen vor allem in Steinbrüchen und im Bergbau zum Einsatz. Erst seit kurzem montiert Komatsu Hanomag die Fahrzeuge, die sonst nur in Japan gefertigt werden, am Standort Hannover.

Die Kolosse stehen abholbereit auf dem Firmengelände. Doch die Nachfrage ist schwach. Wegen der Staatsschuldenkrise sind Bestellungen aus Südeuropa drastisch zurückgegangen. 2012 sanken die Aufträge von Monat zu Monat, im Gesamtjahr um fast 10 Prozent, berichtet Göksel Güner, der Vorsitzende der Geschäftsführung: „Im Dezember hatten wir einen Nachfragerückgang von 25 Prozent.“ Im laufenden Geschäftsjahr werde das Werk etwa 1.500 Maschinen produzieren, 15 Prozent weniger als zuvor. Güner hat bis Ende September Kurzarbeit beantragt.

Kommen wieder mehr Aufträge, werden alle qualifizierten Kräfte dringend gebraucht

Das bleibt nicht ohne Konsequenzen für die Zulieferer aus der Kautschuk-Industrie. „25 Prozent weniger Fahrzeuge – das bedeutet gleichzeitig auch, dass der Bedarf an Reifen um 25 Prozent geringer geworden ist“, so Norbert Reiners, Tarifexperte beim Arbeitgeberverband der Deutschen Kautschuk­industrie.

Die enormen Schwankungen der Märkte bekommen alle zu spüren – die Zulieferer ebenso wie die Hersteller. Der gesamte Nutzfahrzeugmarkt liegt am Boden. Folge: Die Auslastung der Maschinen und Anlagen in den Kautschuk-Betrieben sank 2012 kontinuierlich, lag am Jahresende um 6 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor.

„Der Beschäftigungsaufbau ist zum Stillstand gekommen“, heißt es beim Arbeitgeberverband. Die Stammbelegschaften würden in der nächsten Zeit bestenfalls stabil bleiben, eher leicht schrumpfen – „denn die Betriebe haben 2012 mehr Mitarbeiter eingestellt, als die Konjunktur hergab“.

„Die Konjunktur ist zurzeit noch flach wie ein Brett“, so Tarifexperte Reiners. „Echtes Wachstum sieht anders aus.“ Die erwartete Aufhellung stehe auf tönernen Füßen. „Der Reifenhandel hat noch volle Lagerbestände, die Bestellzahlen aber scheinen nach wie vor schwach.“ Und Reiners gibt zu bedenken: „Die Lohnerhöhungen sind in Stein gemeißelt. Schon jetzt liegen die Tarifentgelte deutlich über dem Vorkrisenniveau, aber die Produktion deutlich unter diesem Wert.“ Seine Schlussfolgerung: Diese Schere dürfe nicht weiter auseinandergehen.

Reiners würde es begrüßen, wenn die Politik die Regelungen aus der Krise 2008/2009 wieder aufleben lassen würde. Damals brach die Nachfrage innerhalb weniger Wochen um 50 Prozent ein. Die Bundesregierung verlängerte die maximal mögliche Zeitspanne der konjunkturell bedingten Kurzarbeit auf zwei Jahre, nach sechs Monaten übernahm die Arbeitsagentur auch die Sozialversicherungsbeiträge.

Damals konnten Unternehmen wie Komatsu Hanomag ihre Stammbelegschaft komplett halten. „Das ist auch jetzt unser erklärtes Ziel“, sagt Firmenchef Güner. Denn wenn wieder mehr Aufträge kommen, würden die qualifizierten Fachkräfte wieder dringend gebraucht. So war es 2011, als die Konjunktur rasant anzog: Die Nachfrage stieg in kürzester Zeit um 30 Prozent, es fielen sogar wieder Überstunden an.

Heute geht Güner davon aus, dass sich die Märkte frühestens Ende 2014 wieder normalisieren. „Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz. Aber ohne Hilfe wird es schwer.“

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