Reparatur für lau?

Was Sie bei Autogarantie-Versicherungen unbedingt beachten sollten

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Autoreparaturen zum Nulltarif? Mit einer sogenannten Garantieversicherung scheint das zu funktionieren: Diese Policen verlängern die übliche Garantie beim Kauf eines Neuen oder Gebrauchten über die gesetzliche Gewährleistung hinaus – je nach Anbieter auf fünf Jahre oder mehr.

Die Kosten dafür sind unterschiedlich. Bei Neuwagen werden sie manchmal als kostenlose Zusatzleistung angeboten. Ansonsten liegen sie je nach Modell, Fahrzeugalter und Laufleistung oft zwischen 400 und 1000 Euro pro Jahr, es kann im Einzelfall aber auch erheblich mehr oder weniger sein. Doch auch eine Garantieversicherung ist kein Rundum-sorglos-Paket. „Die Kosten für Wartung, Inspektion und Verschleißteile sind in diesen Angeboten grundsätzlich nicht enthalten“, erklärt Pressesprecher Jochen Oesterle, beim ADAC für das Thema Versicherungen und Finanzdienstleistungen zuständig.

Es sind also nur „echte“ Defekte abgedeckt. Doch lohnt sich das? Schließlich sind moderne Fahrzeuge nach Angaben des ADAC so ausgelegt, dass sie wenigstens zehn Jahre oder 150.000 km ohne wirklich schwerwiegende Pannen gefahren werden können. „Grundsätzlich besteht jedoch auch bei neueren Fahrzeugen immer ein Risiko, dass Reparaturen nötig werden, wie auch die verschiedenen Rückrufaktionen der letzten Zeit zeigen“, sagt Oesterle.

Dennoch gilt natürlich: In den ersten Jahren ist der Reparaturbedarf erheblich geringer als bei alten Gurken. Ob man im Einzelfall günstiger fährt, wenn man die Versicherungsprämien plus eventueller Selbstbeteiligungen oder die tatsächlich anfallenden Reparaturen zahlt, kann man leider erst hinterher mit Sicherheit sagen. Hier muss man individuell entscheiden, welches Risiko man tragen will. „Wiederverkäufer sollten außerdem bedenken, dass die Garantieverlängerung den Verkaufswert des Wagens erhöht“, sagt Oesterle.

Policen gibt es entweder bei den Autohäusern oder bei freien Anbietern. Die Offerten sind ganz unterschiedlich gestrickt. Damit man im Falle eines Falles auch tatsächlich abgesichert ist, sollte man das Kleingedruckte immer ganz genau prüfen.

Falle 1: Schnellschuss

Man muss die Versicherung nicht direkt beim Kauf abschließen, sondern kann auch später noch unterschreiben. Viele Händler versichern nämlich auch Fahrzeuge, die nicht bei ihnen gekauft wurden oder von anderen Marken sind. Man sollte sich also nicht unter Druck setzen lassen, sondern in Ruhe Preise und Konditionen vergleichen.

Falle 2: Ausschlüsse

Meist sind nicht alle Baugruppen im Leistungsumfang enthalten, allerdings hat jeder Anbieter andere Konditionen. Beim Preisvergleich sollte man also genau hinschauen, welche Reparaturen man für sein Geld bekommt.

Falle 3: Materialkosten

Nicht immer sind tatsächlich alle Kosten abgedeckt. Oft werden nur die Lohnkosten zu 100 Prozent übernommen, bei den Materialkosten muss man – je nach Laufleistung – häufig einen bestimmten Prozentsatz selbst zahlen.

Falle 4: Vertragswerkstätten

Oft wird verlangt, dass während der Vertragslaufzeit Wartung und Inspektion ausschließlich in Vertragswerkstätten durchgeführt werden dürfen – das wird natürlich teuer. „Die Zulässigkeit solcher Klauseln hängt vom Einzelfall ab“, sagt ADAC-Mann Oesterle. Nach Angaben des ADAC ist diese Vertragswerkstättenbindung unzulässig, wenn die Garantieverlängerung direkt beim Kauf eines Neuwagens oder kurz danach vereinbart wird. Zulässig ist sie jedoch, wenn die Garantieverlängerung mindestens zwei bis drei Jahre nach dem Kauf abgeschlossen wird.


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