Leistungen auf den Zahn gefühlt

Was man über Zahnzusatzversicherungen wissen sollte

Foto: Fotolia

Eine moderne Krone? Eine besondere Zahnfüllung? Eine spezielle Antiknirschschiene? Gibt’s alles beim Zahnarzt. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt aber nur einen Teil der Kosten: nämlich einen Festzuschuss in Höhe von 50 Prozent der Kosten, die Kassen und Zahnärzteschaft für eine sogenannte einfache Regelversorgung festgelegt haben. Wer regelmäßig zur Kontrolluntersuchung geht und sich einen Stempel ins Bonusheft geben lässt, kann den Anteil der Kasse zwar steigern – bleibt aber trotzdem noch auf einem Kostenteil sitzen, den er selbst tragen muss. Patienten, die sich für höherwertige Produkte zum Beispiel aus Gold oder Keramik entscheiden, zahlen im Zweifelsfall den größten Teil selbst. Bei einer Keramikkrone beispielsweise ist ein mittlerer dreistelliger Betrag pro Zahn üblich.

Eigenanteil senken

Selbst wenn die Zähne in jungen Jahren topgepflegt sind: Im Alter muss sich nahezu jeder mit kostspieligen Zahnersatzrechnungen auseinandersetzen. Möglicherweise ist das auch der Grund, warum die private Zahnzusatzversicherung ein „Renner“ ist, wie es Stephan Caspary, Pressesprecher des Verbands der Privaten Krankenversicherung, nennt: „13,5 Millionen Policen wurden bisher verkauft“, sagt er. Denn um den Eigenanteil so niedrig wie möglich zu halten, kann eine private Zahnzusatzversicherung sinnvoll sein. Allerdings: „Bevor man eine solche Police abschließt, sollten zunächst die existenziellen Risiken abgesichert sein“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Eine private Haftpflichtversicherung und eine Berufsunfähigkeitsversicherung seien deutlich wichtiger als eine private Zahnzusatzpolice. Auch eine Hausratversicherung könne je nachdem sinnvoller sein.

Wer sich für eine Zahnzusatzversicherung entscheidet, sollte wissen: „100 Prozent der Kosten übernimmt kein Tarif“, so Bianca Boss. „Die Erstattung ist oft auf 80 oder 90 Prozent begrenzt.“ Der Patient muss also weiterhin einen Teil der Kosten selbst tragen. Trotzdem: „Für Patienten, die Wert auf Qualität und Ästhetik legen, ist eine solche Versicherung interessant“, sagt Reiner Zajitschek, Zahnarzt und stellvertretender Vorsitzender des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte (FVDZ). Denn sie können sich so statt Kunststofffüllungen leichter Inlays aus Keramik machen lassen oder ein Implantat statt einer Brücke nehmen.

So erkennt man eine gute private Zahnzusatzversicherung

„Wer eine Zahnzusatzpolice abschließen möchte, sollte die Konditionen vergleichen“, sagt Stephan Caspary. Denn auf dem Markt gibt es viele unterschiedliche Modelle. „Eine gute Police erkennt man beispielsweise daran, dass sie Implantate und Inlays weder begrenzt noch ganz ausschließt“, so Bianca Boss. „Wichtig ist auch die Frage, ob die Police den 3,5fachen Satz, also den Höchstbetrag, übernimmt, oder nur den 2,3fachen Satz, den sogenannten Regelhöchstsatz“, sagt die Versicherungsexpertin. Einige Verträge sehen auch Wartezeiten vor: Dann bekommt der Kunde in den ersten Jahren keine Erstattung. Oder es gibt eine Staffelung, nach der im ersten Vertragsjahr weniger erstattet wird als in den folgenden. Beides spricht nicht für eine gute Police.

Auch Zahnarzt Zajitschek hat einige Tipps: „Policen, die nur nach Vorleistung der gesetzlichen Krankenversicherung zahlen, sehe ich kritisch“, sagt er. Denn die Leistungen der Versicherung reduzierten sich, wenn beispielsweise die Kassenleistungen schlechter würden. Sonst hänge die Wahl der richtigen Police von den persönlichen Wünschen ab: „Wer bis ins hohe Alter festsitzende Zähne behalten möchte, sollte darauf achten, dass Implantate versichert sind“, nennt Zajitschek als Beispiel. Stephan Caspary sagt: „Je mehr ich als Patient möchte, desto weniger weit komme ich mit einer Festkostenregelung. Denn sie zahlt immer bis zu einer bestimmten Summe, egal wie hoch meine Rechnung ist.“ Kunden mit hohen Ansprüchen sind also besser bedient mit einer Regelung, bei der die Versicherung einen prozentualen Anteil der Kosten übernimmt.

Kooperationen von Krankenkasse und Versicherung

Wer von seiner gesetzlichen Krankenkasse ein Kooperationsangebot für eine private Police bekommt, sollte dies jedoch nicht ungeprüft annehmen. „In der Regel bekommt der Versicherte zwar über den Gruppentarif eine Vergünstigung“, sagt Stephan Caspary. „Aber über die Qualität der privaten Police sagt dies nichts aus.“ Es lohne sich durchaus, zunächst am Markt zu prüfen, ob es eine andere Versicherung gebe, die besser zu den Ansprüchen des Patienten passt. „Unter Umständen ist diese sogar günstiger“, so Caspary.

Was kostet eine gute Versicherung?

Guten Versicherungsschutz im Schadensfall gibt es jedoch nicht umsonst: „Ein 30-Jähriger muss mit 25 bis 30 Euro im Monat rechnen“, weiß Bianca Boss. Je älter der Versicherungskunde bei Vertragsabschluss ist, desto mehr muss er zahlen. 30 Euro pro Monat summieren sich im Jahr auf 360 Euro. Für zwei junge Erwachsene macht das zusammen 720 Euro. Gesetzt den Fall, beide nehmen drei Jahre lang die Versicherung nicht in Anspruch, haben sie 2.160 Euro eingezahlt. „Ist jemand diszipliniert genug, könnte er dieses Geld auch auf einem Sparkonto möglichst gut verzinst für den Fall der Fälle zurücklegen“, sagt Bianca Boss.

Wichtig beim Vertragsabschluss

Wer lieber eine private Zahnzusatzversicherung abschließen möchte, muss ehrlich sein: Fehlende Zähne, laufende oder geplante Behandlungen darf man im Vorfeld nicht verschweigen. Sonst muss man damit rechnen, dass die Versicherung im Zweifelsfall die Kosten nicht übernimmt. Private Zusatzversicherungen können vor der Erstattung von Behandlungskosten durchaus Einsichtnahme in die Krankenakte fordern. „Ich händige bei einem Auskunftsersuchen die Krankenakte nicht direkt an die Versicherung, sondern nur an den Patienten aus. Trotzdem hatte ich in meiner Praxis schon mehrere Fälle, in denen die Versicherungen Patienten kündigten, weil diese bei Vertragsabschluss ihre Krankengeschichte nicht richtig wiedergegeben hatten. Ich rate dazu, dies mit dem Zahnarzt zusammen zu machen, denn für den Laien ist das zu kompliziert“, so FVDZ-Mann Zajitschek.

So meldet man den Versicherungsfall

Geht es um aufwendigere Behandlungen, schreibt der Zahnarzt einen sogenannten Heil- und Kostenplan. „Den reicht der Versicherte bei seiner Versicherung ein“, erklärt Stephan Caspary. Diese informiert ihn dann, welchen Teil der Kosten sie übernimmt. Nach der Behandlung reicht der Versicherte die Rechnung ein und bekommt den entsprechenden Betrag überwiesen.


Mehr zum Thema:

Bonusheft? Klar: Da trägt der Zahnarzt die jährlichen Kontrolluntersuchungen ein. Was oft übersehen wird: Für Kinder gelten da spezielle Regeln. Wir erklären sie und geben weitere Tipps zum Bonusheft der Krankenkasse.

Klärt ein Zahnarzt nicht ausreichend über die Kosten einer Behandlung auf und verschweigt dazu noch günstigere Alternativen? Dann muss man als Patient den Eigenanteil des Honorars nicht bezahlen.

Vor allem die Herren der Schöpfung sind Vorsorgemuffel: Nur jeder vierte Mann über 45 geht zur Krebs-Früherkennung. Und das, obwohl viele Vorsorge-Checks sogar kostenlos angeboten werden.

aktualisiert am 05.03.2015

Das Hab und Gut schützen, die Familie absichern, nach Unfällen zumindest finanziell aus dem Schneider sein: Für solche Zwecke gibt es alle möglichen Versicherungen. Doch welche Policen sind unverzichtbar oder zumindest wirklich nützlich?

aktualisiert am 09.10.2017

Stehen die Zähne krumm und schief, ist oft eine Spange nötig. Doch eine Kieferkorrektur ist teuer. Ob sich die Krankenkasse an den Kosten beteiligt, hängt von mehreren Faktoren ab.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang