Hellas wählt eine neue Regierung

Was man über den Euro-Wackelkandidaten Griechenland jetzt wissen muss

Proteste: Vor dem Parlament demonstrieren Griechen gegen den Sparkurs der Regierung. Foto: Reuters

Athen. Wenn die Griechen in einer Woche eine neue Regierung wählen, steht die Zukunft des Landes auf dem Spiel: Behält Hellas den Sparkurs bei und bleibt im Euro? Oder kommt es zum „Grexit“, dem Ausstieg aus der Gemeinschaftswährung? Und welche Folgen hätte der eigentlich für uns? AKTIV erklärt die Fakten.

1. Wie steht es um Griechenlands Wirtschaft?

Beamte wurden entlassen, Gehälter im öffentlichen Dienst und Pensionen gekürzt. Ob Bildung oder Gesundheit: Der Rotstift regiert. Die Sparanstrengungen, die Tausende auf die Straßen treiben, hatten durchaus Erfolg. So wird für dieses Jahr ein Rückgang der Staatsverschuldung erwartet. Und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen hat sich wegen der gesunkenen Löhne immerhin ein wenig verbessert.

2. Vor der Wahl: Was wollen die Parteien?

Griechenlands konservativer Premier Antonis Samaras will weiter sparen. Aber Oppositionsführer Alexis Tsipras vom radikalen Links-Bündnis Syriza sagt, er werde nach einem Wahlsieg den Reform- und Sparkurs sofort stoppen. Staatsdiener sollen wieder eingestellt werden, Löhne und Renten wieder steigen.

3. Was passiert, wenn sich die Linke durchsetzt?

Griechenland könnte im Chaos versinken. Europäer und Internationaler Währungsfonds, die Athen bisher mit Krediten von 227 Milliarden Euro vor der Staatspleite gerettet haben, würden den Geldhahn zudrehen. Dann wäre das Land zahlungsunfähig. In einem solchen Fall halten Wirtschaftswissenschaftler ein Ausscheiden des Landes aus der EU und dem Euro für möglich – und die Rückkehr zur Drachme.

4. Welche Folgen hätte das Euro-Aus für die Griechen?

„Dann hätte das Land ein gewaltiges Problem“, warnt Professor Lars Feld von der Universität Freiburg, Mitglied im Sachverständigenrat der Regierung („Fünf Wirtschaftsweise“). Die Drachme würde radikal an Wert verlieren, Inflation wäre eine mögliche Folge. Produkte aus dem Ausland? Könnte sich kaum ein Grieche mehr leisten. Zudem würde Costas Normalgrieche versuchen, sein Erspartes ins Ausland zu schaffen. Profitieren würde bestenfalls die schmalbrüstige Exportwirtschaft des Landes.

5. Welche Folgen hätte der Grexit für uns?

Allein Deutschland müsste im schlimmsten Fall mit Kreditausfällen von 76 Milliarden Euro rechnen, hat das Ifo-Institut in München errechnet – 935 Euro pro Bürger! Profitieren würden dagegen Touristen: Eine relativ zum Euro deutlich schwächere Drachme würde Urlaub an griechischen Traumstränden um einiges billiger machen.

Viel wichtiger allerdings wären die Auswirkungen auf andere krisengeplagte Staaten. Zwar erwarten Ökonomen keine Ansteckungsgefahr für Südländer wie Spanien oder Portugal.

Für Frankreich und Italien ist die Lage schon kritischer: Diese ebenfalls klammen Länder würde der Ausfall griechischer Rückzahlungen schwer treffen.


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Sie wächst und wächst: 28 Mitgliedsstaaten hat die Europäische Union derzeit. Aber schon stehen weitere Länder in den Startlöchern. Wer rein will, wer was dafür tun muss und wer noch warten muss, lesen Sie hier.

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