Drohender Staatsbankrott

Was kann passieren, wenn Griechenland pleitegeht?

Unruhe in Athen: Streikende Stahlarbeiter protestieren gegen die Sparanstrengungen im Land. Foto: dpa

Fünf Fragen zu einem möglichen Staatsbankrott

Mannheim/München. Anfang September fällt die Entscheidung: Dann steht fest, ob Griechenland weitere Hilfskredite von den anderen 16 Euro-Staaten und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) bekommt. Wird der Geldhahn zugedreht, wäre Griechenland wohl endgültig pleite.

Treten die Griechen dann aus dem Euro aus?

Einen solchen Schritt Griechenlands im Fall einer Staatspleite erwartet Professor Michael Schröder vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim: „Das wäre eine Schocktherapie für das Land.“

Denn die neue eigene Währung wäre deutlich schwächer als der Euro. Importe würden sich sofort kräftig verteuern. So könnten etwa Lebens- und Arzneimittel knapp werden.

Auf der anderen Seite würden griechische Exportgüter preisgünstiger und damit international wettbewerbsfähiger. Dieser positive Effekt würde vermutlich aber erst nach einiger Zeit wirken.

Welche Folgen hätte das für die Industrie in Deutschland?

Der Anteil Griechenlands am gesamten deutschen Export liegt unter einem halben Prozent. 2011 ging es um Waren und Dienstleistungen im Wert von gerade mal etwas mehr als 5 Milliarden Euro.

Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) hält die wirtschaftliche Bedeutung Griechenlands für vernachlässigbar: „Ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone wäre für die deutsche Industrie zu verkraften“, sagte er vor kurzem bei der Vorstellung des bayerischen Industrieberichts. Kritischer sieht das Professor Wolfgang Franz. Der Vorsitzende des Sachverständigenrats befürchtet eine „Ansteckungsgefahr“ für Spanien und Italien. Denn sollte Griechenland pleite gehen, könnte das andere Euro-Länder in Bedrängnis bringen.

Was würde das für die deutschen Steuerzahler bedeuten?

Nach einer Berechnung des Münchner Ifo-Instituts könnte Griechenlands Pleite uns Steuerzahler bis zu 89 Milliarden Euro kosten. Darin stecken die Anteile Deutschlands für das erste und zweite Rettungspaket: 15 Milliarden und 22 Milliarden Euro.

Außerdem sind drin der deutsche Beitrag für die Kredite des IWF und für die Europäische Zentralbank, die griechische Staatsanleihen gekauft hat und bei der die griechische Notenbank Schulden hat.

Was würde in Griechenland passieren?

ZEW-Finanzexperte Schröder rechnet mit starken Turbulenzen im Finanzsystem. „Ein Staatsbankrott würde etliche griechische Banken in den Konkurs treiben“, befürchtet er. Denn sie haben mit dem Kauf von Anleihen ihrem Staat Geld geliehen. Die Kredite von den Euro-Ländern und dem IWF fließen bisher an den Staat und von dort zum großen Teil an die Banken. Damit wäre ohne weitere internationale Hilfe Schluss.

Gab es schon einmal Staatspleiten?

Sogar ziemlich oft. Der IWF hat für die Zeit von 1824 bis 2004 insgesamt 257 Insolvenzen gezählt. Das jüngste Beispiel ist Argentinien, das im Jahr 2002 zum fünften Mal pleite ging. Deutschland und seine Vorgängerstaaten wie Preußen waren achtmal zahlungsunfähig.


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