RSS Feed abonnieren
Feedback senden

Arbeitsmarkt

Was ist dran am Jobwunder in Deutschland?

Von Teilzeit bis Vollzeitjob: Die Statistiker zählen genau mit. Eine Repräsentativ-Umfrage liefert nun neue Zahlen zu „normalen“ und den oftmals als „prekär“ bezeichneten Stellen.

Belastbare Fakten: Die Zahl der Arbeitsplätze wird penibel erhoben. Foto: Shutterstock

Belastbare Fakten: Die Zahl der Arbeitsplätze wird penibel erhoben. Foto: Shutterstock

Wiesbaden. Befristet, Teilzeit, Zeitarbeit, Minijob – für all das gibt es gute Gründe, aus Sicht des Betriebs oder des Arbeitnehmers. Doch weil solche Arbeitsverhältnisse im Eifer der politischen Debatte gern pauschal als „prekär“ bezeichnet werden, führt das Statistische Bundesamt penibel Buch. Jetzt legte es aktuelle Zahlen vor: für „Normalarbeitnehmer“ und „atypisch Beschäftigte“.

Das Ergebnis zeigt, wie sich der zurückliegende lange Konjunkturaufschwung am Arbeitsmarkt niedergeschlagen hat. Wenn man „Normal-Jobs“ ganz eng definiert, nämlich als unbefristete, sozialversicherungspflichtige Vollzeitstellen außerhalb der Zeitarbeit, hat sich ihre Zahl allein in den vier Jahren von 2014 bis 2017 insgesamt noch einmal um rund 900.000 erhöht.

Die Statistiker stützen sich dabei auf den Mikrozensus, eine breit angelegte Repräsentativ-Umfrage in der Bevölkerung. Das Ergebnis wird bestätigt durch die Arbeitsvolumen-Rechnung der Bundesagentur für Arbeit: Demnach ist die Zahl der in Beschäftigungsverhältnissen geleisteten Arbeitsstunden in der gleichen Zeit um 6,2 Prozent gestiegen.


Zahl der „atypischen“ Stellen zuletzt fast unverändert

Insgesamt weist das Statistische Bundesamt für 2017 rund 22,1 Millionen Normal-Jobs im engeren Sinne aus. Die Zahl der atypisch Beschäftigten (befristet, geringfügig beschäftigt, in Zeitarbeit und/oder in Teilzeit mit maximal 20 Wochenstunden) blieb in den letzten vier Jahren fast unverändert, sie stieg nur um insgesamt 80.000 auf 7,7 Millionen. Dazwischen liegen die Teilzeitbeschäftigten mit über 20 Wochenstunden. Ihre Zahl stieg um 800.000 auf 3,7 Millionen, was oft mit individuellen Lebensmodellen zusammenhängt. So stieg der Anteil der Frauen, die einer Teilzeit- statt einer Vollzeittätigkeit nachgehen, etwa weil sie keine Ganztagesbetreuung für ihre Kinder haben, zwischen 2008 und 2016 von 77 auf knapp 89 Prozent.

Mitgezählt sind in der Erhebung nur die „Kernerwerbstätigen“: Menschen im Alter von 15 bis 64 Jahren, die sich nicht in Bildung oder Ausbildung befinden und keinen Wehr-, Zivil- oder Freiwilligendienst machen.

Mehr zum Thema:

Diese Außenansicht sollte uns zu denken geben: „Pessimismus plus Perfektionismus – das mag in gemäßigter Form eine deutsche Stärke sein“, schreibt das Wirtschaftsmagazin „Economist“. „Doch das Gemäßigte droht, verloren zu gehen.“

Immer mehr Flüchtlinge haben einen Job. Ehsan Vallizadeh, Experte beim IAB, dem Forschungsinstitut der Agentur für Arbeit, erklärt im Interview mit AKTIV, warum eine Ausbildung für junge Geflüchtete so wichtig ist.

Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Zum Anfang