Entgelt & Co.

Was Industrie-Unternehmen außer dem Lohn für ihre Mitarbeiter zahlen

Köln. Bruttolohn – okay, damit kann wohl jeder etwas anfangen. Aber Direktentgelt und Personalzusatzkosten? Da wird’s ein bisschen kompliziert. Dabei muss man diese Begriffe kennen, um zu verstehen, wie sich die Arbeitskosten der Unternehmen im Einzelnen zusammensetzen. Denn die Betriebe haben viel mehr zu schultern als den Lohn. Wir erklären das am Beispiel von Herrn Mustermann – einem Mitarbeiter im verarbeitenden Gewerbe Bayerns.

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat die Kostenblöcke für einen Vollzeitbeschäftigten detailliert ermittelt. Sie beruhen auf Zahlen des Statistischen Bundesamts für das Jahr 2013. Am Anfang steht das Direktentgelt, alle weiteren Positionen gehören zu den sogenannten Lohnzusatzkosten. Beides zusammen ergibt die Arbeitskosten.

Direktentgelt: Das erhält man für tatsächlich geleistete Arbeit, also für die Stunden, die man im Betrieb verbringt. Das Direktentgelt ist mit 56,7 Prozent der Arbeitskosten der größte Kostenblock (siehe Schaubild). Aber: Die sozialen Extras, die hinzukommen, sind enorm. Auf jeden 100-Euro-Schein, den Herr Mustermann für seine Arbeitsleistung erhält, legt der Betrieb weitere 76,30 Euro an Lohnzusatzkosten drauf.

Sonderzahlungen: In dieser Position stecken Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld und das 13. Gehalt. Außerdem sind darin die erfolgs- oder leistungsabhängigen Sondergratifikationen für gute Leistungen enthalten. Und schließlich fallen darunter auch noch die vermögenswirksamen Leistungen des Arbeitgebers. Die Sonderzahlungen machen 9,3 Prozent der Arbeitskosten aus.

Bezahlung arbeitsfreier Tage: Dahinter verbergen sich die Löhne, die natürlich auch dann weiter fließen, wenn Herr Mustermann in Urlaub fährt oder einen Feiertag genießt. Von den 365 Tagen im Jahr verbringt der bayerische Arbeitnehmer nur rund 210 Tage an seinem Arbeitsplatz. Neben den Wochenenden fallen im Schnitt weitere 50 Arbeitstage aus. Das sind die 30 Urlaubstage, die Vollzeitkräfte in aller Regel haben, dazu kommen die 13 Feiertage in Bayern sowie Fehlzeiten.

     

Denn auch die Lohnfortzahlung gehört zu dieser Position: Für Ausfallzeiten etwa wegen Krankheit oder nach einem Unfall zahlt der Arbeitgeber bis zu sechs Wochen lang den vollen Bruttoverdienst. Erst nach dieser Frist springt die Krankenkasse ein.

Rechnet man nun die drei Positionen „Direktentgelt“, „Sonderzahlungen“ und „Bezahlung arbeitsfreier Tage“ zusammen, ergibt sich der Bruttolohn. Damit sind wir schon bei vier Fünfteln der Arbeitskosten. Und noch weitere Posten kommen hinzu.

     

Sozialbeiträge des Arbeitgebers: Dazu zählen die Zahlungen an die gesetzliche Renten-, Arbeitslosen-, Kranken- und Pflegeversicherung, die für die Beschäftigten zu entrichten sind – bei privat kranken- und pflegeversicherten Mitarbeitern beteiligen sich die Arbeitgeber entsprechend an deren Versicherungszahlungen. Außerdem fallen unter diese Position die Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung (Berufsgenossenschaft), die der Arbeitgeber allein schultert.

     

Sonstige Kosten: Das sind Aufwendungen, die der Arbeitgeber für die betriebliche Altersvorsorge seiner Mitarbeiter zahlt. Sowie weitere Leistungen wie Wohnungsbeihilfen, das subventionierte Kantinenessen, der Betriebskindergarten oder betrieblich geförderte Weiterbildung.

     

Natürlich kommen nicht alle sozialen Extras jedem Arbeitnehmer zugute. Und nur ein Teil von ihnen wird auf der Lohn- und Gehaltsliste aufgeführt. Beides zusammen führt dazu, dass kaum ein Mitarbeiter den Umfang seiner persönlichen Lohnzusatzkosten genau kennt.

Fest steht indes: Die Gesamthöhe der Arbeitskosten ist für jeden Betrieb ein wichtiger Wettbewerbsfaktor. Damit er über die Runden kommt, müssen die Beschäftigten eben nicht nur das Direktentgelt erwirtschaften, sondern auch die zahlreichen Extras.


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Der Standort D verliert an Wettbewerbsfähigkeit. Davor warnt eindringlich Alfred Gaffal, Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft. Warum ihm steigende Arbeitskosten große Sorgen machen, lesen Sie hier.

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