Hier klappt die Forschung

Was Industrie-Betriebe an Bayern schätzen – und was sie so leistungsfähig macht


Westerham/München/Amberg. Bayerns Industrie ist stärker als im Rest der Republik. Ihr Anteil an der Wertschöpfung lag im Jahr 2012 bei 27 Prozent – 5 Prozentpunkte höher als in ganz Deutschland. Zudem ist das verarbeitende Gewerbe im Freistaat produktiver als die Industrie anderer Regionen.

Auch weil die Betriebe in Bayern besonders gute Bedingungen haben. Das zeigt eine aktuelle Standort-Studie, die das Beratungsunternehmen IW Consult im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft erstellt hat.

Im Vergleich mit 45 Industrieländern liegt der Freistaat hinter Schweden und der Schweiz auf Rang drei – deutlich vor Deutschland insgesamt, das auf dem siebten Platz folgt. Bayern punktet unter anderem mit einer gut ausgebauten Infrastruktur sowie mit seinem „Innovationsumfeld“ und Bildungssystem.

„Unsere Region ist ein sehr guter Nährboden für Ideen“

Ein Blick in die Patentstatistik zeigt die Stärke bei Forschung und Entwicklung: 114 Anmeldungen kamen 2012 auf 100.000 Einwohner im Freistaat. In Deutschland insgesamt waren es nur 57.

Für das Unternehmen Spinner zum Beispiel, einen weltweit tätigen Hersteller von Hochfrequenztechnik, arbeiten im Stammwerk Westerham bei München 100 Ingenieure und Entwickler an neuen Produkten. „Wir brauchen den technischen Vorsprung, um erfolgreich zu sein“, erklärt Kai Numssen, Leiter des Innovationsmanagements von Spinner. „Und unsere Region ist ein sehr guter Nährboden für Ideen.“

Hauptgrund dafür sind die engen Beziehungen zu den Hochschulen in München und Rosenheim. „Wir können hier über jede neue Technik mit Experten sprechen“, sagt Numssen. Regelmäßige Treffen seien extrem wichtig, betont er: „Ideen müssen wir früh mit Fachleuten diskutieren, damit wir bei neuen Entwicklungen den richtigen Weg einschlagen.“

Das gute Innovationsumfeld bindet Spinner an die Region. „Weil die komplexere Pro­duktion in der Nähe der Entwicklung am besten aufgehoben ist, sichert das auch Jobs ­in der Fertigung“, erläutert Numssen.

Wie Spinner schätzt auch das Münchner Unternehmen Kayser-Threde seinen Standort. Die Firma entwickelt und baut unter anderem wissenschaftliche Experimente für den Einsatz im Weltraum und organisiert auch deren Transport ins All. „Wir sind extrem spezialisiert“, sagt Stefan Bedrich, der Direktor für Technik von Kayser­Threde. Es sei daher von unschätzbarem Wert, viele kompetente Partner und Kunden im Großraum München zu haben.

Zu ihnen gehören neben Zulieferfirmen das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt sowie Max-Planck- und Fraunhofer-Institute. „Diese Dichte ist einzigartig in Europa“, schwärmt der Technik-Direktor.

Auch für Kayser-Threde spielen zudem die Unis eine große Rolle: Dort findet das Unternehmen viele seiner Mitarbeiter. „Wir haben in München renommierte Professoren an den für uns interessanten Lehrstühlen“, erklärt Bedrich. „Das lockt gute Leute, die wir brauchen, in die Region.“

Aber nicht nur die Spitzenforschung macht Bayern zu einem attraktiven Standort. Es ist auch das Bildungssystem, das junge Leute bestens auf das Berufsleben vorbereitet.

Schulqualität und berufliche Bildung sind spitze

Die Schulen des Freistaats erhalten häufig gute Noten, so auch im Bildungsmonitor 2012. In dieser Studie vergleicht das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) die Bundesländer – und Bayern belegt den vierten Platz. In zwei für die Industrie besonders wichtigen Kategorien ist der Freistaat sogar an der Spitze: Schulqualität und berufliche Bildung.

„Die Zusammenarbeit mit den Betrieben klappt hervorragend“, lobt Dieter Baumer, Ausbilder des Fahrzeug-Zulieferers Grammer in Amberg, die Schulen. Die Leistungen der Absolventen passten ebenfalls – auch wenn sie zuletzt etwas nachgelassen hätten. „Wir haben hohe Erwartungen“, sagt Baumer, „aber die Anforderungen in den Industrie-Betrieben werden auch immer höher.“

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

Info

Ein Mitarbeiter erbringt 78.000 Euro

Die Wertschöpfung eines Erwerbstätigen ist im verarbeitenden Gewerbe deutlich höher als in anderen Wirtschaftszweigen. Im Jahr 2012 lag sie in der gesamten deutschen Wirtschaft bei 57.000 Euro. Die Industrie erreichte 73.000 Euro – in Bayern sogar 78.000 Euro.

Unternehmen in diesem Artikel

SPINNER GmbH

Map
SPINNER GmbH
Aiblinger Straße 30
83620 Westerham

Zum Unternehmensfinder

Kayser-Threde GmbH

Map
Kayser-Threde GmbH
Perchtinger Straße 5
81379 München

Zum Unternehmensfinder

Grammer AG

Map
Grammer AG
Georg-Grammer-Straße 2
92224 Amberg

Zum Unternehmensfinder
Adventskalender-Gewinnspiel

Service-Angebote auf AKTIVonline:

Wirtschaftslexikon
Unternehmensfinder
Energiespar-Rechner
Messe-Kalender
Ferien-Kalender
'' Zum Anfang