Weihnachten und Chemie

Was hinter krossen Braten und rauchenden Schneemännern steckt


Köln. Es duftet nach Lebkuchen, Kerzen brennen, bald zieren glänzende Kugeln und Lametta den Tannenbaum: Weihnachtszeit! „Das ist alles Chemie“, schwärmt Professor Gerd Meyer von der Universität Köln.

Selbst vor knusprigem Gänsebraten macht der Experte für anorganische Chemie nicht Halt: „An der Oberfläche gibt es eine Verbindung aus Eiweißen, Fetten und Zuckern“, erklärt er, „die sorgt für das Bräunen und den typischen Geschmack.“ In der Fachsprache heißt das „Maillard-Reaktion“.

Eine eigene Form für jede Tannennadel

Auch Gerüche von A wie Anis bis Z wie Zimt sind„ganz klar Chemie“, sagt Meyer. Düfte sind Substanzen, die kleinste Teile, Moleküle, enthalten: „Es gibt unendlich viele Moleküle, die wir riechen können“, erklärt der Wissenschaftler, „weil wir Rezeptoren in unserer Nase haben, die sie erkennen.“

Überaus gerne haben wir Vanille-Aroma. Es steckt in Keksen, Softdrinks, Seifen und Düften. Doch echte Vanille ist rar und teuer: „Nur 0,5 Prozent des weltweiten Bedarfs lässt sich aus Vanille-Pflanzen gewinnen“, weiß Vincent Lajotte, Aroma-Experte beim Spezialchemie-Hersteller Rhodia am französischen Standort Lyon. Zum Glück lässt sich Vanillin synthetisch aus aromatischem Alkohol (Catechol, Brenzcatechin) gewinnen. Oder biotechnologisch: „Gräser wie Reis oder Dill enthalten Ferulasäure“, so der Experte. „Durch Gärung kann man diese in Vanillin umwandeln.“

Bei der Tanne mischt die Chemie ebenfalls mit: In den USA ist heute jedes dritte Bäumchen künstlich. Früher fertigte man es aus Federn und Borsten. Heute besteht es meist aus dem Kunststoff PVC (Polyvinylchlorid). Noch echter wirken Modelle aus PE (Polyethylen), die im Spritzgussverfahren entstehen. Dazu gießt man Kunststoff in Formen, die mithilfe natürlicher Nadeln hergestellt wurden.

Und bei Lichterketten mit lichtemittierenden Dioden (LED), die viel weniger Strom verbrauchen, spart Chemie auch Geld: „LEDs wandeln bis zu 70 Prozent der erzeugten Energie in Licht um“, erklärt Rainer Vierbaum, Standortleiter von Evonik in Rheinfelden. „Die klassische Glühbirne schafft gerade mal 5 Prozent.“

LEDs halten 20-mal länger

Das Chemie-Unternehmen produziert den Rohstoff für die Glaslinsen, welche die Dioden umschließen und vor Nässe und Kälte schützen. LEDs enthalten zudem kein kritisches Quecksilber. Und: Sie leuchten im Schnitt 20.000 Stunden und damit gut 20-mal länger als die alten Birnen.

Noch mehr Interesse an Chemie? Professor Meyer lädt jedes Jahr zur Weihnachtsvorlesung in den Hörsaal ein, diesmal am 19. Dezember.

700 Zuhörer haben dort Platz, doch der Saal platzt jedes Mal aus allen Nähten: „Chemie macht Spaß und gehört zum Alltag, das zeige ich den jungen Leuten.“

Zum Show-Ende brennt er einen „Schneemann“ ab, eine abenteuerliche Mischung aus Kaliumchlorat und Puderzucker. Dabei entsteht sehr viel Rauch. „Mein Rausschmeißer“, verrät Meyer, „da will keiner länger im Saal bleiben …“

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