Klassiker-Boom

Was fasziniert uns eigentlich so an Oldtimern?

Bergisch Gladbach. Es war Liebe auf den ersten Blick. Als er sie sah, in einer Garage in München, da war’s um Ernst Hüther geschehen. Wie sie so dastand. Nicht mehr ganz jung, okay. Aber diese Kurven! Also blätterte er kurz entschlossen 6.000 Mark auf den Tisch. Seither sind sie ein Traumpaar: Ernst Hüther und seine weiß-blau lackierte Knutschkugel, ein BMW 600, Baujahr 1959. Ein Bilderbuch-Oldtimer. „Top in Schuss, die Rennsemmel“, sagt Hüther.

Ein Sonntag im Sommer, Oldtimer-Fest in Bergisch Gladbach bei Köln. Blank polierte Kotflügel, blitzender Chrom, der 75-Jährige fühlt sich wie im Autohimmel: „Überall altes Blech. Wunderbar!“

Faszination Oldtimer: Nie war sie so groß wie heute! 311.000 Klassiker waren zum Jahreswechsel zugelassen, 11 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Als Oldtimer gelten dabei Fahrzeuge, die mindestens 30 Jahre in den Achsen haben. Am meisten verbreitet: der Käfer und der Mercedes W123, Vorläufer der E-Klasse.

Aus ihrer Nische als Fetische ölverschmierter Benzin-Junkies sind sie dabei längst ausgeschert. Einer aktuellen Allensbach-Studie zufolge interessiert sich jeder dritte Deutsche für Oldtimer.

Woran liegt das? „Persönliche Erinnerungen spielen hier oft eine wichtige Rolle“, sagt Stefan Behr, Oldtimer-Experte bei BMW. Das Familienauto aus der Kindheit, der Wagen, mit dem man einst auf Hochzeitsreise ging, „viel geht hier über Emotion“, so Behr. Weiterer Grund: „Liebhaber gönnen sich mit ihrem Oldtimer auch eine Auszeit vom durchgetakteten Alltag.“

Und die lassen sie sich was kosten. Laut einer Untersuchung der Kölner Beratungsgesellschaft BBE Automotive gaben Fans im vergangenen Jahr stolze 3,6 Milliarden Euro für den Erhalt ihrer bereiften Schätzchen aus.

Wobei: Mittlerweile taugen viele Klassiker sogar auch als Wertanlage. So stieg ihr Wert zwischen 2005 und 2014 im Durchschnitt ebenso stark an wie der deutscher Aktien (siehe Grafik).

Also wirklich Garagengold statt Groschengrab? Wahre Freaks wie Ernst Hüther interessiert das eher wenig. „Ich hab einfach Benzin im Blut“, sagt der BMW-Fahrer. Zwar sei sein heiß geliebter 600er mittlerweile auch schon gut 20.000 Euro wert. Aber verkaufen? „Im Leben nicht!“


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Früher prägten sie das Straßenbild: Brot- und Butter-Autos wie der Golf II parkten an jeder Ecke. Mittlerweile sind sie seltener geworden. Genau das macht sie nun begehrt. Und lässt die Preise wieder ansteigen.

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