„Die Unruhen machen uns zu schaffen“

Was die Ukraine-Krise mit der Chemie-Branche in Baden-Württemberg zu tun hat

Exportschlager: Homöopathische Mittel sind weltweit gefragt. Foto: dpa

Karlsruhe. Produkte aus Baden-Württemberg schätzt man weltweit. So sind zum Beispiel homöopathische Präparate in Russland, der Ukraine und Zentralasien gefragt. Sie sind ein Exportschlager, ebenso wie Chemikalien, pharmazeutische Produkte oder Farben und Lacke aus dem Ländle.

Doch die Entwicklung der Weltwirtschaft beunruhigt die Unternehmer: „Uns macht der Konflikt zwischen der Ukraine und Russland zu schaffen“, sagt Peter Braun, Chef des homöopathischen Arzneimittel-Herstellers DHU in Karlsruhe.

Eigentlich wächst der Markt: Etwa 500 DHU-Mitarbeiter produzieren 350.000 unterschiedliche Arzneien in der Firmenzentrale. In den vergangenen zehn Jahren konnte das Unternehmen seinen Umsatz um 55 Prozent steigern – auf zuletzt rund 100 Millionen Euro. Knapp 30 Prozent davon werden im Ausland erwirtschaftet.

Die russische Wirtschaft steckt jedoch nun tief in der Rezession, schuld sind der Ölpreisverfall und die vom Westen verhängten Sanktionen. Der Rubel verfällt, deutsche Waren sind teurer.

Dabei sind die Märkte in Osteuropa und Asien wichtige Treiber für die heimische Chemiebranche. Da der Exportanteil bei 60 Prozent liegt, stellen sich die Chemie-Verbände Baden-Württemberg auf ein „schwieriges Jahr“ ein, so Hauptgeschäftsführer Thomas Mayer.

Auch Rainer Frei, Geschäftsführer des Lackspezialisten FreiLacke in Döggingen, hat die Märkte im Blick. Der Familienbetrieb hat Niederlassungen in Großbritannien, Russland, Schweden und China. In den letzten Jahren wuchs der Exportanteil auf über 40 Prozent.

„Wir sind gewissermaßen von jedem Land abhängig“, sagt der Chef. „Es gibt so viele globale Verflechtungen zwischen den verschiedenen Märkten. Wenn ein Land schwächelt, bleiben die Einflüsse nicht darauf beschränkt, sondern können sich weltweit auswirken.“

In der Ukraine brach der Umsatz im letzten Jahr um 70 Prozent ein. Frei bleibt optimistisch: „Wir sehen zwar Wolken am Horizont. Aber noch sind wir zufrieden.“


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