Alternde Gesellschaft

Was die Jungen tragen müssen


Schwere Last: Bis zum Jahr 2050 wird die Zahl der Rentner im Verhältnis zu den Jungen steigen. Erst dann nimmt sie nicht mehr zu. Foto: Roth

Generationenbilanz: Deutschland stellt die Weichen für die Zukunft

 

 

Freiburg. Alle Beschäftigten, die jünger als 45 Jahre sind, legen bei der Renten-, Pflege- und Krankenversicherung kräftig drauf. So zahlt ein 40-Jähriger im Lauf seines Arbeitslebens 53.000 Euro mehr an Beiträgen ein, als er an Leistungen empfängt. Bei einem 20-Jährigen sind es sogar 148.000 Euro.

 

 

 

„Damit leben die Älteren auf Kosten der Jüngeren“, sagt der  Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg. Am dortigen „Forschungszentrum Generationenverträge“ wurden die Zahlen ermittelt. Doch die Wissenschaftler stellen auch fest: Für die spätere Zukunft hat Deutschland erste Weichen richtig gestellt.

 

 

 

Drei Berufstätige pro Rentner

 

 

 

In ihrer „Generationenbilanz“ haben die Forscher die Defizite von Sozialkassen und Staatshaushalt addiert – für einige Jahrzehnte.

 

 

 

Und sie haben hochgerechnet, was bisherige Beschlüsse der Regierung an Entlastung bringen: Dazu zählen die Reformpakete bei der Rente. Und zusätzliche Staatseinnahmen, etwa durch Brennelementesteuer und Luftverkehrsabgabe, die in der Wirtschaft durchaus umstritten sind.

 

 

 

Das Ergebnis: Die sogenannte „verdeckte Verschuldung“ sinkt. Unter diesem Begriff werden die künftig zu erwartenden Schulden von Staat und Sozialversicherungen zusammengefasst. Was nach staubtrockener Statistik klingt, kann sich für alle, die jetzt Kinder sind, in Euro und Cent auszahlen.

 

 

 

So darf ein fünfjähriger Kindergarten-Knirps damit rechnen, dass er in seinem Leben 43.000 Euro mehr an Leistungen bekommen wird, als er einzahlt.

 

 

 

Das liest sich erstmal gut, ist aber nicht gut genug. „Im internationalen Vergleich liegen wir damit nur im Mittelfeld“, sagt Raffelhüschen. Zwar sieht es für kleine Briten deutlich schlechter aus. Ganz junge Schweizer und Skandinavier aber haben weitaus bessere Perspektiven.

 

 

 

Und viele wichtige Reformen habe Deutschland noch gar nicht richtig angepackt. Beispiel Krankenversicherung: „Hier sieht es am übelsten aus“, warnt Raffelhüschen. Man müsse den Bürgern klarmachen, „dass mit den künftigen Beitragseinnahmen die Leistungen nicht mehr finanziert werden können.“

 

 

 

Das liege am medizinischen Fortschritt und daran, dass die Gesellschaft immer älter wird.Er rechnet vor: „Heute kommen drei Erwerbstätige auf einen Rentner. Im Jahr 2030 werden es nur noch zwei sein.“ Obwohl die Ruheständler bereits Beiträge zur Krankenkasse zahlen, werden die Berufstätigen dann deutlich mehr an Abgaben aufbringen müssen.

 

 

 

Denn trotz der teilweise erreichten Entlastung türmt sich die „verdeckte Verschuldung“ noch immer zu einem erdrückenden Berg auf, den spätere Generationen abtragen müssen. „Wir lasten unseren Kindern und Enkelkindern viel zu viele Schulden auf“, kritisiert Raffelhüschen.

 

 

 

Auch bei der Pflegeversicherung sei Deutschland „nicht richtig fit für die alternde Gesellschaft“. Sein Vorschlag: Für das erste Jahr der Pflegebedürftigkeit solle sich jeder selbst absichern. Damit würde man den Jungen das Leben erleichtern.

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