Schaden für den Wohlstand

Was der Ökonom Professor Thomas Straubhaar zur Rente sagt

Hamburg. Das neue Rentenpaket, das den Ausstieg mit 63 ermöglicht und Müttern mehr Geld verschafft, wird dem Wohlstand in Deutschland schaden. Das sagt Professor Thomas Straubhaar, der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, voraus.

Bis 2030 will die Bundesregierung insgesamt 160 Milliarden Euro in zusätzliche Rentenzahlungen stecken. Gut angelegtes Geld?

Überhaupt nicht. Denn von den Plänen der Großen Koalition profitiert nur die Generation 50 plus, die sogenannten Babyboomer. Bezahlen müssen das aber die Jüngeren: Der Rentenbeitragssatz wurde jetzt konstant gehalten statt gesenkt – und ab dem Jahr 2017, spätestens 2018, wird er steigen.

Können wir uns das nicht leisten? Das Job-Wunder der letzten Jahre hat doch die Rentenkasse prall gefüllt?

Sie wird ganz fix wieder leer sein. Wenn diese Reform wirklich so kommt, wird das schlimme Folgen haben. Das Wohlstandsniveau wird sich nicht so schnell verbessern, wie es eigentlich möglich wäre. Und ich schließe nicht aus, dass Jüngere irgendwann Deutschland den Rücken kehren, weil sie die hohe Beitragslast nicht mehr schultern wollen oder können. Der demografische Wandel erfordert genau das Gegenteil von „Rente mit 63“.

Nämlich?

Nach Japan altert Deutschland am schnellsten in der ganzen Welt. Unser Sozialstaat bleibt nur stabil, wenn wir schrittweise das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung anpassen. Die Deutschen werden ja nicht nur immer älter, sie bleiben auch länger fit.

Und wenn einer nicht bis 67 voll arbeiten kann?

Dann ist die Wirtschaft gefordert: Der Weg in den Ruhestand muss flexibel gestaltet werden, etwa mit speziellen Arbeitsformen für Ältere. Das könnte ein sanfter Übergang von Vollzeit in Teilzeit oder in Projektarbeit sein. 


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