Leitartikel

Was der Aufbau Ost gebracht hat

AKTIV-Chefredakteur Ulrich von Lampe. Foto: Roth

Es gibt auch große Dinge, die irgendwann erledigt sind. Der „Aufbau Ost“ gehört dazu. Auch wenn das in den nächsten Wochen und Monaten garantiert von vielen vehement bestritten wird. Denn die Politik verhandelt die Zukunft des Länderfinanzausgleichs ab 2020 – und wer sich da in schlechtes Licht rückt, kriegt tendenziell mehr Steuergeld ab.

Beliebt ist zum Beispiel die Arbeitslosenquote. Sie betrug im August 6,0 Prozent in West-, aber 9,4 Prozent in Ostdeutschland. Das klingt, als ob es im Osten generell viel weniger Arbeit gäbe, also nach Handlungsbedarf: Schließlich ist im Grundgesetz von der „Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse im Bundesgebiet“ die Rede.

Bloß hängt die Arbeitslosenquote auch stark davon ab, wie viele Leute überhaupt berufstätig sein wollen, und das sind traditionell im Osten mehr. Aussagekräftiger sind deshalb die geleisteten Arbeitsstunden pro Kopf der Bevölkerung. Das waren letztes Jahr zum Beispiel in Niedersachsen 666 Stunden – und in Sachsen-Anhalt 643 Stunden. In Sachsen waren es 702 und in Nordrhein-Westfalen 674 Stunden. So betrachtet ist der Osten schon ganz ordentlich aufgebaut.

Das Gleiche gilt für die Verteilung des Wohlstands. Nach jüngsten Zahlen waren vorletztes Jahr 14 Prozent der West-, aber 20 Prozent der Ostdeutschen relativ „arm“, weil ihr Einkommen weniger als 60 Prozent des bundesweiten Mittelwertes betrug. Bloß ist halt das Leben auch nicht überall gleich teuer. Wenn man das berücksichtigt, hat Thüringen inzwischen die drittniedrigste Armutsquote in Deutschland – und von den ostdeutschen Ländern ragen nur Berlin und Mecklenburg-Vorpommern negativ heraus.


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