Interview: „Daddeln schult das Gedächtnis“

Was Computerspiele für die Arbeit bringen

Trier. Ob bei der Produktentwicklung, der Planung von Produktionsabläufen oder bei der Überwachung von Anlagen: Zunehmend machen Industriebetriebe ihre Mitarbeiter dafür fit, indem sie Computerspiele einsetzen. AKTIV sprach mit Professorin Linda Breitlauch von der Hochschule Trier über diesen Trend. Sie ist zudem Expertin für „Serious Games“ im Bundesverband der deutschen Computerspiele-Industrie.

Warum ist Daddeln gut?
Selbst reine Unterhaltungsspiele haben einen nützlichen Effekt: Sie schulen Gedächtnis und Bewegungen, etwa die Auge-Hand-Koordination. Wer regelmäßig daddelt, entscheidet schnell und kann Probleme mit anderen zusammen besser lösen. Eine Studie der Berliner Charité zeigt, dass Vielspieler sogar einen höheren Intelligenz-Quotienten haben als Nichtspieler.

Wieso lernt man im Spiel leichter?
Brenzlige Situationen, etwa eine feindliche Attacke, stellen den Spieler vor Entscheidungen. Er reagiert darauf und sieht sofort, was passiert. So entdeckt er Muster, die er immer wieder variieren und auf andere Aufgaben anwenden kann.

Und wobei hilft das im Beruf weiter?
Bei allem, was sich ums Lernen dreht. Man probiert etwas so lange, bis man richtig gut darin ist und wird dafür belohnt. Dieses Prinzip lässt sich auf die Arbeit übertragen: in der Weiterbildung, im Vertrieb oder der Entwicklung von Produkten. Das Lernen muss aber freiwillig sein, und das Spiel darf keine negativen Auswirkungen auf das wirkliche Leben haben. Sonst geht es uns wie dem Profifußballer: Der spielt nicht, sondern arbeitet.

Wem und wann nützen Lernspiele besonders?
Im Grunde jedem Menschen und in jeder Situation – vorausgesetzt, das Spiel wird didaktisch gut umgesetzt und sein Erfolg immer wieder überprüft. Wenn gute Ansätze scheitern, dann oft daran, dass das Budget schlicht zu gering ist oder das Spiel doch nicht richtig zum Unternehmen passt.


Mehr zum Thema:

Am 22. August startet die diesjährige Gamescom. Welche Trends gibt es bei Computerspielen? Das haben wir Felix Falk gefragt, Geschäftsführer des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU), Träger der Messe.

Anderen beim Computerspielen zugucken – nur was für Freaks, oder? Wer das glaubt, hat den Trend verpennt. Weltweit hat der „E-Sport“ schon eine Viertelmilliarde Fans. Sogar Klubs der Bundesliga steigen jetzt ein.

Wer spielt, hat Spaß. Und um zu gewinnen, strengt man sich gerne an. Diesen Mechanismus machen sich Firmen zunutze und entwickeln Spiele, die Freude bereiten und gleichzeitig bilden, gesund halten oder Produkte anpreisen.

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