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Kinderbetreuung

Was bringt das Gute-Kita-Gesetz?

5,5 Milliarden Euro will die Bundesregierung in die Verbesserung der Kinderbetreuung stecken. Verwendungsmöglichkeiten gibt es viele. Wo Veränderung dringend nötig ist, erklärt ein Experte.

Prägend: Die Zeit in der Kita ist wichtig für die Entwicklung. Foto: Adobe Stock

Prägend: Die Zeit in der Kita ist wichtig für die Entwicklung. Foto: Adobe Stock

Die Regierung hat schon vor Jahren begonnen, den Ausbau der Kitas voranzutreiben: Besuchten im Jahr 2008 noch 18 Prozent aller unter Dreijährigen eine Betreuung, sind es heute immerhin 33 Prozent.

Jetzt wird nachgelegt: Beim „Gute-Kita-Gesetz“ geht es um mehr als nur um Quantität. Die Koalition hat es Anfang September verabschiedet, Januar 2019 soll es in Kraft treten. 5,5 Milliarden Euro will der Bund bis zum Jahr 2022 in die Kinderbetreuung investieren. Verwendungszwecke gibt es einige: Fachkräfte weiterbilden, längere Öffnungszeiten ermöglichen oder den Betreuungsschlüssel verbessern, also das Zahlenverhältnis von Erziehern und Kindern. „Das Gesetz war dringend notwendig, denn die Kinderbetreuung hat ein Finanzierungsproblem“, sagt Wido Geis-Thöne, Experte für Familienpolitik beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW).

In jedem Land sieht die Situation anders aus

„Was mit dem Geld passiert, muss jedes Bundesland selbst entscheiden.“ Denn die Situation sieht überall anders aus.„Das drängendste Problem“, so Geis-Thöne, „ist für viele Eltern nach wie vor, einen Platz zu finden.“ Immer noch fehlen bundesweit 300.000 Plätze für unter Dreijährige. Besonders schwer wiegt dieser Mangel im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen.

„Und dann brauchen wir einen ordentlichen Betreuungsschlüssel.“ In manchen Gemeinden komme es vor, dass sich eine Fachkraft um sechs und mehr Kinder kümmert.

Angemessen wäre aber eine Relation von eins zu drei, so der Experte. Einen besonders großen Nachholbedarf an dieser Stelle haben Regionen in Ostdeutschland. In Süddeutschland wiederum hakt es bei den Öffnungszeiten. Die decken häufig einen Arbeitstag nicht ab.

Anstatt in Qualität, Personal oder Öffnungszeiten zu investieren, haben die Länder aber auch die Möglichkeit, Kita-Gebühren zu senken oder ganz auf sie zu verzichten. In Teilen Deutschlands, etwa in Berlin, ist das schon der Fall.

„Das ist ein richtiger Schritt in Richtung Chancengleichheit“, sagt der IW-Forscher. „Weil Kitas immer stärker zu Bildungseinrichtungen werden und hohe Kita-Beiträge Eltern mit geringem Einkommen davon abhalten können, ihre Kinder überhaupt früh in Einrichtungen zu schicken.“

Eine Mehrheit der Eltern ist bereit, höhere Beiträge zu zahlen

Besonders wichtig ist das im Hinblick auf Integration. Denn Kinder mit Migrationshintergrund lernen die deutsche Sprache eher in der Kita als im Elternhaus. Geis-Thöne: „So etwas wie eine generell beitragsfreie Grundbetreuung von 25 Stunden wäre denkbar.“

Dass gute Qualität auch etwas kosten darf, belegen Umfragen. Einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge wäre eine Mehrheit aller Eltern bereit, höhere Kosten für Kitas in Kauf zu nehmen, sofern die Qualität besser wird.


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