Von A wie Automodell bis Z wie Zahnkrone

Was 3-D-Drucker alles können


München/Berlin. Die Blumenvase in leuchtendem Orange zeigt Maximilian Kustermann gerne her. Er ist Stammgast im Münchner Fablab, einer Werkstatt für Hobby-Tüftler. Dort ist das Gefäß auf einem 3-D-Drucker produziert worden. „Dafür wurde Kunststoff erhitzt und in hauchdünnen Schichten stundenlang aufgetürmt“, sagt der junge Ingenieur.

Drucken in 3-D: Noch ist das was für Technik-Freaks. Nur in der industriellen Produktion sind Methoden der sogenannten additiven Fertigung im größeren Stil im Einsatz, vor allem für den Bau von Prototypen. Die Anwendungsmöglichkeiten nehmen aber zu.

„Bei vielen Leuten wächst die Zuversicht, mit 3-D-Druck ein Geschäft zu machen“, sagt Kustermann. Er hat gerade die Firma 3DBlume gegründet und will 3-D-Drucker zum Leasing anbieten, vor allem an Architektur- und Ingenieurbüros: „Die können ihre Modelle dann viel schneller und günstiger bauen lassen als bisher.“

Für 200 Euro kann jeder Kunde sein eigenes Abbild als kleine Figur drucken lassen

Andere Pioniere setzen auf Privatkunden. Internet-Anbieter wie Shapeways, Sculpteo und Fabberhouse versenden 3-D-Drucke auf Bestellung. In Berlin hat kürzlich der 3-D-Copyshop Botspot eröffnet. Dort kann man zum Beispiel Smartphone-Hüllen, Plätzchenformen oder Eierbecher drucken lassen. Ein riesiger 3-D-Scanner vermisst zudem Gegenstände. Für rund 200 Euro gibt es sogar das eigene Abbild als Miniatur.

Experten bezweifeln aber, dass der private 3-D-Druck schon vor dem Durchbruch steht. „Euphorie ist nicht angebracht“, sagt Professor Hartmut Schwandt, Mathematiker und Leiter des 3-D-Labors an der Technischen Universität Berlin. Die Drucker seien sehr schwer zu beherrschen und nur eingeschränkt anwendbar, Beratung und Service aber teuer. „Ich erkenne deshalb keinen großen Bedarf für den privaten 3-D-Druck.“

Anders beurteilt Schwandt die Entwicklung in der Industrie: „Die Zahl der Anwendungen explodiert derzeit förmlich.“ Der industrielle 3-D-Druck kommt aus der Nische des Prototypenbaus heraus – auch wenn er für die Massenproduktion selbst auf lange Sicht zu teuer und zu langsam bleiben dürfte.

Kleinserien und komplexe Bauteile aber werden durch das Verfahren deutlich günstiger. Zudem lässt der 3-D-Druck mehr Freiheiten beim Design. „Wir sehen immer mehr Interesse aus dem Serienumfeld“, berichtet Nikolai Zaepernick, Leiter für Strategie- und Geschäftsfeldentwicklung des Unternehmens EOS in Krailling bei München. Die Firma stellt Systeme zum Lasersintern her, die Metall- oder Kunststoffpulver verschmelzen lassen.

Kunden kommen zum Beispiel aus der Autobranche, dem Maschinenbau, der Luft- und Raumfahrt-Industrie sowie der Medizintechnik. So produzieren weltweit 70 EOS-Dentalsysteme mehr als vier Millionen Zahnkronen und -brücken im Jahr.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang