Private Finanzen

Warum wir keine Angstsparer sind


Die Deutschen legen so viel auf die hohe Kante wie lange nicht mehr

Berlin. Wir Deutschen sind Angsthasen. Und fürchten fi-nanzielle Probleme mehr als Krankheit, Krieg, Terror. Im Ernst: Das ergab eine repräsentative Umfrage der R+V-Versicherung. Am meisten Angst haben 76 Prozent der Bürger vor der Inflation. Furchtfaktor zwei: die Verschlechterung der Wirtschaftslage. Die große Angst – ist sie real, oder sind wir nur vorsichtig?

Beispiel Sparen: Gerne wird interpretiert, wir seien „Angstsparer“. Etwa, weil die Sparquote im ersten Halbjahr bei 11,3 Prozent lag, so hoch wie zuletzt 1995. Von 100 Euro verfügbarem Einkommen legen wir also im Schnitt 11 Euro und 30 Cent beiseite. In Europa zählen wir damit zur Spitzengruppe.

Die Angst-Theorie aber halten Experten für eine Fehlinterpretation. „Zurzeit ist nicht davon auszugehen, dass Angst das Motiv für die hohe Sparquote ist“, sagt zum Beispiel Jan Philip Weber vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken in Berlin. Und fügt an: „Ein immer wichtigeres Sparmotiv ist vielmehr die private Altersvorsorge.“ Wie nötig die ist, werde immer mehr Bürgern bewusst.

Außerdem, so Weber, „hat zuletzt wohl die Besserung der Arbeitsmarktlage eine wichtige Rolle gespielt“. Es kann ja nur sparen, wer Geld verdient. Im Übrigen lag die Sparquote schon höher (siehe Grafik). Sie habe sich lediglich normalisiert, so Weber.

Vernünftige Vorsicht

„Angst“ wurde uns auch schon oft bei der Wahl der Anlageformen vorgehalten. So urteilt der Finanzkonzern Allianz in einer Broschüre: „Ängstliches Sparverhalten verhindert deutlich höhere Renditen. Im Vergleich zu den US-Bürgern hinken die Deutschen mächtig hinterher – und verschenken Bares.“ Nach dem jüngsten Börsencrash werden sich viele Anleger sagen: Die „Angst“ war im Rückblick wohl eher vernünftige Vorsicht.

Und die habe ihr Gutes, hört man wieder öfter. Beispielsweise von Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis: „Die vergleichsweise Robustheit der deutschen Finanzwirtschaft ist auch auf die solide Sparkultur in Deutschland zurückzuführen“, sagte er kürzlich. In den USA dagegen sei es üblich, „auf Pump“ zu leben. Die Sparquote liegt dort fast bei null.

Überwiegend sichere Anlagen, zudem eine zuletzt rückläufige Inflation – gibt es gar nicht so viel Grund, vor Geldverlust Angst zu haben? Etwas be­droht unsere Einkommen doch: Die Arbeitslosigkeit könnte in Folge der Finanzkrise wieder steigen.

Weniger Bürger in Not

Noch aber profitieren wir vom Aufschwung. Es gibt Anzeichen, dass weniger Menschen in finanzieller Not sind. So lag die Zahl der Verbraucher-Insolvenzverfahren in der ers­ten Hälfte 2008 um 7 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor.

Und die meisten können vorsorgen: Beim „Vermögensbarometer  2008“ des Sparkassenverbandes gaben 78 Prozent der Befragten an, „Maßnahmen zur Absicherung ihrer finanziellen Zu­kunft“ ergriffen zu haben.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang