Sauberes Trinkwasser

Warum wir das kühle Nass sorglos nutzen können


Koblenz/Ludwigshafen. Sauberes Wasser aus dem Hahn? In Deutschland ist das selbstverständlich: Schnell ist es gezapft, wir trinken es, waschen und spülen damit. Dass das kostbare Nass genießbar wird, liegt an Menschen wie Dirk Herpich (53). Er arbeitet als Betriebsschlosser im Wasserwerk Koblenz, einem von gut 2.500 derartigen Anlagen im Land.

Das Werk, betrieben von der Energieversorgung Mittelrhein, bereitet Tag für Tag etwa 20.000 Kubikmeter Wasser auf; es versorgt neben Koblenz auch Lahnstein und die Gemeinde Vallendar. „Wir gewinnen das Wasser aus drei Brunnen“, erzählt Herpich. Täglich kontrolliert er die Pumpen, Filteranlagen und Dosierstationen. Der Betrieb läuft vollautomatisiert. Nur ein Rauschen ist in den großen Hallen zu hören.

Korrosion bedroht die alten Rohre

Zunächst wird dem Rohwasser in der „Verdüsung“ Kohlendioxid entzogen. Zu viel davon würde die Rohrleitungen im späteren Verlauf angreifen. Dann fließt es zur Reinigung durch die Filteranlagen.

„Je nach Rohwasser-Qualität ist der Einsatz von speziellen Hilfsmitteln nötig“, erklärt Herpich, „zum Beispiel von Flockungsmitteln.“ Diese produziert das Chemie-Unternehmen BK Giulini in Ludwigshafen und liefert sie bundesweit an Wasserwerke.

Flockungsmittel bestehen aus Aluminiumsalzen und binden kleinste Verunreinigungen im Rohwasser, etwa Schlieren und Trübungen. Die sinken dann als große „Schmutz-Wolken“ zu Boden und bleiben so im Filter hängen.
Doch damit ist es nicht getan: Auf seinem Weg durch das kilometerlange, verzweigte Versorgungsnetz der Stadt und die Hausinstallationen kommt das Wasser erneut mit vielen Materialien in Berührung. BK Giulini produziert auch dafür eine Lösung: sogenannte Inhibitoren, eine Kombination aus Phosphaten und Silikaten.

Sie verhindern, dass kritische Schwermetalle freigesetzt werden. Die Lösung wird dem Wasser in kleinsten Mengen tröpfchenweise zugegeben und legt sich wie eine Schutzschicht innen auf die Leitungen. Das hemmt die Korrosion und schützt die teuren Rohre vor dem nagenden Zahn der Zeit; es verhindert zugleich starke Kalkablagerungen. „Die Rohre bestehen meistens aus Eisen und sind manchmal bis zu 100 Jahre alt“, erklärt Peter Schmidt, Verkaufsleiter Trinkwasser bei BK Giulini: „Korrosion ist ein großes Problem.“

Strenges Gesetz regelt die Reinigung

Das Bundesumweltamt überwacht und aktualisiert die Liste der erlaubten Zusätze. Denn die Qualität des Wassers ist streng geregelt: Die Trinkwasserverordnung schreibt vor, was in welchen Höchstmengen zugegeben werden darf. Es gilt: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.

Die Kontrolle zahlt sich aus: „Das Trinkwasser ist unser sauberstes Lebensmittel“, sagt Schmidt. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland vorn. Nur wenige Länder fordern eine ähnlich hohe Qualität ein, etwa Schweden, Norwegen und die Niederlande.

Übrigens: Auch die Ästhetik des Wassers ist in dem Regelwerk festgelegt. „Wir filtern etwa Eisen und Mangan bis zum vorgegebenen Grenzwert heraus“, sagt Herpich. Diese Substanzen schaden nicht, würden das Wasser aber unappetitlich färben.

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Schlagwörter: Ernährung Chemie

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