Kooperation für Innovation

Warum Unternehmen mit Hochschulen und sogar Konkurrenten gemeinsam forschen

Teisnach/München/Weiherhammer. Oft hat die deutsche Industrie einen Vorsprung vor der Konkurrenz, wenn es um Technik geht. Damit das so bleibt, investieren die Unternehmen in Forschung und Entwicklung. So arbeitet das Elektronik-Unternehmen Rohde & Schwarz in Teisnach im Bayerischen Wald unermüdlich an neuen Lösungen für seine Fertigung.

Dafür wird Wissen gebündelt: Mindestens einmal im Monat treffen sich Mitarbeiter des Werks mit Wissenschaftlern der Technischen Hochschule Deggendorf und der Uni Erlangen.

Der Grund: das von der Bayerischen Forschungsstiftung geförderte Projekt „Interapid“. Es geht um sogenannte Hochfrequenz-Baugruppen mit Leiterplatten von besonders hoher Qualität. Die werden in Messgeräte und -systeme von Rohde & Schwarz eingebaut.

„Mithilfe der Wissenschaft wollen wir Erkenntnisse gewinnen, wie wir unsere Fertigungsprozesse für Leiterplatten optimieren können“, sagt Johann Hollrotter, der Projektleiter von Rohde & Schwarz. Diese Kooperation ist eines von vielen Beispielen in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie. Unternehmen nutzen immer stärker das Wissen von Hochschulen, um neue Herstellungsverfahren oder Produkte zu entwickeln.

Sogar Konkurrenten forschen gemeinsam

Dabei kommt es gelegentlich zu ungewöhnlichen Allianzen. So gibt es auch Projekte, in denen mehrere Unternehmen, manchmal sogar Konkurrenten, gemeinsam an Lösungen für morgen tüfteln. Letztlich geht es immer darum, sich im Wettbewerb zu behaupten.

Rohde & Schwarz braucht dafür Leiterplatten von sehr hoher Güte. Dank der engen Verknüpfung der Fertigung mit der Entwicklungabteilung ergeben sich Vorteile im Vergleich zu einem Kauf der Leiterplatten von Zulieferern. Deshalb stellt Rohde & Schwarz diese Baugruppen in den eigenen Werken selbst her.

Auch Konzerne mit großen eigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen nutzen die Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit mit der Wissenschaft.

Karbon für die Serie

Der Münchner Autohersteller BMW pflegt nicht nur Partnerschaften mit deutschen Hochschulen, sondern auch in der Schweiz, den USA, China und Singapur. Und forscht in Netzwerken mit anderen Unternehmen, etwa bei MAI Carbon. Das ist eines von 15 sogenannten Spitzenclustern, die fünf Jahre lang von der Bundesregierung gefördert werden.

MAI steht für das Städtedreieck München–Augsburg–Ingolstadt. Rund 90 Partnerunternehmen, Hochschulen und das Fraunhofer-Institut arbeiten daran, faserverstärkte Kunststoffe aus Karbon für die Serienfertigung vor allem kostengünstiger zu machen. Eine Rolle spielt dabei das Recycling des leichten, aber harten Materials. An MAI Carbon ist auch Konkurrent Audi in Ingolstadt beteiligt. „Wenn es um Grundlagen wie hier in der Materialforschung geht, ziehen alle an einem Strang“, so BMW-Sprecher Jochen Frey.

In i3 und i8, den Elektroautos von BMW, sind die Fahrgastzellen bereits aus Karbon. Der i8, seit vergangenem Monat auf dem Markt, hat zudem als erstes Serienfahrzeug der Welt Frontschweinwerfer mit Laserlicht. Diese leuchten besonders weit. An der Entwicklung war auch der Münchner Lichthersteller Osram beteiligt.

Komfort für Bediener

Gute Erfahrungen mit solchen Kooperationen macht ebenfalls BHS Corrugated in Weiherhammer (Oberpfalz). Das Unternehmen fertigt Anlagen zur Herstellung von Wellpappe. „Eine sinnvolle Zusammenarbeit spart Zeit und Kosten“, betont Robert Götz, der Abteilungsleiter der BHS-Elektrotechnik. „Markt- und Techniktrends lassen sich so oft früh erkennen.“

Zuletzt wurde als ein Ergebnis des Forschungsprojekts „Gestik“ mit der Technischen Universität München und vier bayerischen Unternehmen aus anderen Branchen die Bedienbarkeit der Wellpappen-Maschinen verbessert. Genauer gesagt: des Bildschirms im Leitstand am Ende der 120 bis 150 Meter langen Anlagen. Bedient wird das Display mit Berührungen der Finger.

„Neu ist zum Beispiel eine Hell-dunkel-Schaltung“, berichtet Götz. So sind je nach den Lichtverhältnissen in einer Halle die Infos auf dem Bildschirm besser zu lesen. „Und bestimmte Bedienelemente lassen sich auf dem Display zu- oder wegschalten.“ Das macht alles übersichtlicher. Beteiligt an dem zweijährigen Projekt, das 2013 abgeschlossen wurde, war auch BSH Bosch und Siemens Hausgeräte in München. In der Haustechnik geht es ebenfalls um bedienerfreundliche Produkte, wie Herde und Waschmaschinen.

Kontakte für Kooperationen

Angestoßen, begleitet und finanziert wurde das Forschungsvorhaben Gestik vom KME Kompetenzzentrum Mittelstand, einem vom Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie und der Technischen Uni München gegründeten Unternehmen.

Ziel ist ein intensiver Austausch von Hochschulen, Instituten und Mitgliedsbetrieben. Dazu vermittelt das KME Partnerschaften. Gemeinsam zu forschen, hilft im immer härteren internationalen Wettbewerb.

Übrigens …

Hilfe für die Wissenschaft

  • Die Betriebe der bayerischen Metall- und Elektroindustrie investieren im Durchschnitt jedes Jahr etwa 4 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung.
  • Hochschulen und Studenten werden von Unternehmen in Deutschland mit rund 2,5 Milliarden Euro im Jahr unterstützt (Stand: 2012). Der größte Posten sind duale Studiengänge, die Studium und Praxis im Betrieb kombinieren.
  • Frühe Kontakte zu Studenten sind für die Wirtschaft wichtig, um neue Fachkräfte zu gewinnen.

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