Warum reicht es nicht für alle?


Beim Kampf gegen den Hunger halten die Staaten ihre Versprechen nicht ein

Berlin. Täglich neue, erschütternde Bilder aus Ostafrika: Weinende Kinder, die um Essen flehen, apathische Männer und Frauen. Im UN-Flüchtlingslager Dadaab (Kenia) suchen Hunderttausende aus Somalia Zuflucht vor Hunger und Krieg.

Wie kann es überhaupt noch Hunger geben in einer Welt, deren Wirtschaftsleistung sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt hat?

Die Preise für Nahrung steigen

Seit 1990 ist die Unterernährung prozentual zwar gesunken. Doch  gleichzeitig wuchs die Weltbevölkerung – und die absolute Zahl der Hungernden stieg von 840 auf 925 Millionen Menschen. „Sie leiden am stärksten darunter, dass die Lebensmittelpreise so hoch sind wie noch nie“, berichtet Ralf Südhoff, Leiter des UN-Welternährungsprogramms in Deutschland.

Um 160 Prozent sind die Preise seit dem Jahr 2000 gestiegen. „Das liegt unter anderem daran, dass die Landwirtschaft keine Überschüsse mehr produziert wie noch vor zehn Jahren“, so Südhoff. Für Preisauftrieb hätten zuletzt auch Waldbrände in Russland und Ernteausfälle in Kanada gesorgt. Solche Schäden mehren sich durch den Klimawandel.

Weitere Gründe: der neue Wohlstand in vielen Schwellenländern, wo immer mehr Menschen Fleisch essen. Und die steigende Produktion von Getreide für Biokraftstoff.

Und: Es wird viel zu wenig Saatgut angebaut. Entwicklungshelfer machen dafür die Regierungen sowohl der reichen als auch der armen Staaten verantwortlich. „Ihnen fehlt der politische Wille, Beschlüsse in Taten umzusetzen“, sagt Tobias Kahler, Deutschland-Chef der internationalen Organisation ONE.

So hatten sich die 20 größten Industriestaaten darauf geeinigt, die Landwirtschaft in Entwicklungsländern von 2009 bis 2012 mit 22 Milliarden Dollar zu fördern. „Tatsächlich“, so Kahler, „werden sie weniger als die Hälfte aufbringen.“ Und nur 20 von mehr als 50 afrikanischen Staaten hätten das Versprechen, dafür ein Zehntel ihres Haushalts einzusetzen, ganz oder teilweise eingelöst.

Kahlers Fazit: „Würden diese Beschlüsse eingehalten, dann könnten sich die afrikanischen Länder selbst versorgen.“

 

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