Der Durchschlag kann bares Geld wert sein

Warum man den gelben Schein auch bei der Kasse abgeben sollte

Ein Klassiker des deutschen Sozialstaats: Den gelben Schein gibt es schon seit Jahrzehnten. Foto: BlackIceNRW

Jenseits der Personalabteilungen ist das sperrige Wort „Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung“ eher unüblich: Vom „gelben Schein“ spricht der Volksmund – oder auch einfach von der Krankschreibung. Dass man die im Betrieb abgibt, wenn man wegen einer Krankheit mal nicht zur Arbeit gehen kann – klare Sache. Aber dann gibt es da ja noch den Durchschlag für die Krankenkasse, auf dem mahnende Worte stehen.

„Bei verspäteter Vorlage droht Krankengeldverlust!“, ist da zu lesen. „Das ist tatsächlich so. Wir können nur jedem empfehlen, den Durchschlag jeweils möglichst innerhalb einer Woche bei seiner Krankenkasse einzureichen“, sagt Lothar Schulz, Experte fürs Thema beim Marktführer Barmer GEK (8,7 Millionen Versicherte).

Diagnose geht die Firma nichts an

Den etwas kniffligen Hintergrund erklärt Schulz mit einem wichtigen Unterschied: Auf dem gelben Schein für die Firma ist keine Diagnose vermerkt – es geht den Chef ja nichts an, welche Krankheit man hat. Auf dem Durchschlag für die Kasse ist die Krankheit aber angegeben, wenn auch in einer für den Laien unverständlichen Codierung.

Verwendet wird das internationale Klassifikationssystem ICD-10. Wobei man schnell herausfinden kann, was hinter Kürzeln wie „J03.9“ steckt: Das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information hat die ICD-10-Liste ins Netz gestellt – unter: www.dimdi.de.

Wichtig wird die Diagnose vor allem, wenn jemand mehrmals und länger krank wird. Die Lohnfortzahlung der Firma endet nach den ersten sechs Wochen, danach gibt es Krankengeld von der Kasse – und damit in der Regel weniger Geld.

„Wenn nun jemand zum Beispiel innerhalb von sechs Monaten zweimal vier Wochen lang wegen eines Bandscheibenleidens fehlt, gibt es für die letzten zwei Wochen nur noch Krankengeld“, sagt Schulz. „Fehlt er aber zuerst vier Wochen wegen des Rückenleidens und dann vier Wochen wegen eines Magengeschwürs, muss die Firma für alle acht Wochen das Entgelt weiterzahlen.“ Das ist gesetzlich festgeschrieben, dabei gibt es detaillierte Fristen für die Anrechnung.

Lohnfortzahlung gibt es nicht sofort

Im Zweifel wird der Arbeitgeber also bei der Kasse nachfragen, ob der Mitarbeiter nun wegen der gleichen Krankheit mehr als sechs Wochen ausgefallen ist oder nicht. Und das kann die Kasse laut Schulz nur beantworten, wenn ihr der Durchschlag des gelben Scheins vorliegt.

Besonders wichtig ist das schnelle Absenden dieses Zettels für Menschen, die gerade einen neuen Job angetreten haben: In den ersten vier Wochen eines Arbeitsverhältnisses muss die Firma nämlich den Lohn nicht weiterzahlen, wenn man krank wird – auch das steht im Entgeltfortzahlungsgesetz. Die Betroffenen können daher sofort Krankengeld erhalten.

Eile ist auch für Menschen geboten, die am Ende eines befristeten Jobs krank werden, wie Schulz erklärt: Sie können nämlich nach dem Ende des Arbeitsverhältnisses Krankengeld bekommen.

Aber ein an sich recht gesunder Mitarbeiter, der mal zwei Tage wegen einer Erkältung ausfällt und dann viele Monate später eine Woche wegen einer Grippe? Der könnte die gelben Scheine auch irgendwann gesammelt abgeben, ohne viel zu riskieren, wie der Experte einräumt.

Weil man nun aber nie weiß, was kommt, sollte man den Durchschlag am besten jeweils sofort abschicken (oder in der örtlichen Geschäftsstelle abgeben). Dabei helfen die Barmer GEK und andere Kassen inzwischen mit praktischem Online-Service auf der jeweiligen Homepage: Wer Name, Versichertennummer & Co. eingibt, hat ratzfatz ein fertiges Anschreiben zum Ausdrucken auf dem Bildschirm.


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