Ein renommierter Psychiater warnt vor der Rente mit 63

Warum Frührente den meisten Menschen gar nicht guttut

Gelassen und präzise: Ältere Mitarbeiter punkten mit viel Erfahrung. Foto: KSB

Leipzig. Aus rein finanzieller Sicht ist die Sache einfach: Die geplante abschlagsfreie Rente mit 63 lohnt sich im Prinzip für jeden, der sie nutzen kann. Also – machen? Professor Ulrich Hegerl rät zur Vorsicht: „Den meisten Menschen würde es nicht guttun, wenn sie schon mit 63 in Rente gehen“, sagt er. Und für Hegerl geht es da gerade nicht um den ökonomischen Aspekt: Er ist Chef der Leipziger Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie und im Ehrenamt Vorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Zwar gibt es Jobs, die körperlich oder geistig so an die Substanz gehen, dass der frühere Abschied ein Segen sein kann. „Aber für die große Mehrheit ist Arbeit ein eher schützender Faktor“, betont Hegerl. „Denn sie gibt dem Tag eine Struktur. Sie sorgt für geistige Beanspruchung – die einem wahrscheinlich guttut. Sie gibt dem Menschen eine Rolle im System. Und sie vernetzt ihn sozial, sorgt für Kontakte.“

16,7 Jahre lang leben deutsche Männer im Schnitt als Rentner

Für die Psyche sei es wohl am bekömmlichsten, stufenweise aus dem Beruf auszusteigen, erklärt der Experte. Und er rät dringend dazu, sich auf das Rentnerdasein langfristig vorzubereiten. „Schon weit vor dem Rentenantrag sollte man sich um private Kontakte bemühen, seine Hobbys pflegen und sinnvoll Verantwortung übernehmen, zum Beispiel durch ein Ehrenamt“, sagt Hegerl. „Eine sinnstiftende Aufgabe hilft, weiter ein aktives Leben zu führen.“

Dazu muss man wissen: Deutsche Rentner leben immer länger. Die im Jahr 2012 gestorbenen Männer haben ihre Rente im Schnitt 16,7 Jahre lang genossen, die Frauen sogar 21,3 Jahre. Im Jahr 2002 war diese „Rentenbezugsdauer“ bei den Männern noch 2,7 Jahre kürzer gewesen, bei den Frauen genau 2 Jahre.


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