Ausblick

Warum es gut ausgeht


Euro-Fighterin: Kanzlerin Angela Merkel auf dem EU-Krisengipfel Anfang März in Brüssel. Foto: Roth

Nach dem langen Zittern sehen Experten jetzt die Wende

Köln. Bleibt der Euro? Zwei Jahre lang schien das vielen Menschen nicht mehr sicher, ein EU-Krisengipfel jagte den nächsten. Doch nach dem Schuldenschnitt für Griechenland und angesichts sinkender Zinsen in den Krisenstaaten wächst die Zuversicht.

„Es sind entscheidende Weichenstellungen geschehen, die eine Lösung der europäischen Schuldenkrise wesentlich wahrscheinlicher machen“, sagt Stefan Schneider von DB Research, der Denkfabrik der Deutschen Bank. Professor Karl-Heinz Paqué von der Uni Magdeburg, früher Finanzminister in Sachsen-Anhalt, bestätigt: „Wesentliche Schritte sind getan, jetzt kommt es auf die praktische Umsetzung an.“

Was ist in den letzten Monaten passiert?

● Nationale Reformen – Alle im Börsen-Jargon als „PIIGS“ geschmähten Krisenstaaten (Portugal, Italien, Irland, Griechenland, Spanien) haben unter dem Druck ausländischer Kreditgeber massiv umgesteuert. Das verbessert auf Dauer die Staatsfinanzen – auch wenn „die Konsolidierung kurzfristig Wachstum kosten wird“, wie es Deutsche-Bank-Experte Schneider formuliert. Was das für die Menschen bedeuten kann, hat AKTIV in Athen beobachtet (siehe Reportage "Wie die Griechen sich jetzt fühlen").

● Strengere EU-Regeln – In ihrem „Fiskalpakt“ haben sich Anfang März fast alle EU-Staaten (vorerst ohne England und Tschechien) zu strenger Haushaltsdisziplin verpflichtet. Auf deutschen Druck wird unter anderem eine „Schuldenbremse“, wie sie bei uns schon seit 2009 im Grundgesetz steht, überall Pflicht. „Die Beschlüsse haben eine höhere Bindungskraft als frühere Verträge“, betont Schneider.

● Viel Zentralbankgeld – Mit zwei „Dreijahrestendern“ hat die Europäische Zentralbank den Geschäftsbanken über 1.000 Milliarden Euro zu sehr günstigen Zinsen geliehen. „Sie hat eine Firewall aufgebaut“, erklärt Wirtschaftsprofessor Paqué. Dass Betriebe in Südeuropa wegen der Verunsicherung an den Finanzmärkten keine Kredite kriegen, ist nun unwahrscheinlicher.

● Großer Rettungstopf – Im Juli steht er parat: der auf Dauer angelegte, 700 Milliarden Euro schwere Topf mit dem verschwurbelten Namen „Europäischer Stabilitätsmechanismus“ (ESM). Als „Instrumentenkasten für künftige Krisen“ könne er zur Stabilität beitragen, so Paqué. Deutscher Einsatz: 22 Milliarden Euro in bar, 168 Milliarden auf Abruf.

Das Spiel um den Euro ist damit nicht gewonnen. „Wir sind noch nicht auf der sicheren Seite“, sagt Paqué. „Diese Krise ist knüppelhart, hat aber längerfristig vielleicht sogar ihr Gutes: Der Markt hat mit brutaler Konsequenz Schwachstellen aufgedeckt.“

Vor allem natürlich in Griechenland – das trotz des Schuldenschnitts um gut 100 Milliarden Euro noch mit mehr als dem Anderthalbfachen der jährlichen Wirtschaftsleistung in der Kreide steht und noch lange nicht an den Kapitalmarkt zurückkehren kann. „Griechenland wird jetzt sozusagen in Watte gepackt“, erklärt Paqué. „Denn wir wissen alle nicht, welche Wirkung das Ausscheiden aus der Euro-Zone hätte – das Risiko eines Domino-Effekts wäre sehr hoch.“

Dabei geht es nicht nur um Wirtschaft. Sondern um die Zukunft des Kontinents: Wenn wir dem EU-Mitglied Griechenland nicht helfen, warnt der Professor, „könnte am Ende womöglich China das Land aus der Portokasse durchfinanzieren – und plötzlich indirekt in Brüssel mit am Tisch sitzen. Ob Europa sich das leisten kann?“

 

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