Eine Party muss her

Warum eine gelungene Fußball-WM so wichtig für Brasiliens Wirtschaft ist

Rio de Janeiro. Friedliche Fans und Feierlaune – darauf hoffen die Veranstalter der Fußball-WM in Brasilien. Wenn ab dem 12. Juni im größten Land Südamerikas der Ball rollt, sollen die Menschen rund um den Globus positive Samba-Stimmung tanken. Und sehen: Auch hier kriegt man ein Mega-Event hin.

„Eine gelungene Weltmeisterschaft wäre ein starkes Signal für das Schwellenland“, sagt Henning Vöpel, Forscher am Hamburger Weltwirtschaftsinstitut. „Nach innen genauso wie für ausländische Investoren.“ Damit sich die rund 11 Milliarden Euro auszahlen, die das Land in das Spektakel investiert, „müssen die Bilder einer reibungslos funktionierenden Party um die Welt gehen“.

Umso problematischer ist die negative Stimmung, die sich in Brasilien zusammenbraut. Um nur 2,1 Prozent pro Jahr wächst die Wirtschaft, laut Internationalem Währungsfonds, im Zeitraum 2011 bis 2015 – das ist viel weniger als im letzten Jahrzehnt. Die Inflationsrate liegt aktuell bei 6 Prozent. Und angesichts der WM-Milliarden gab es zum Teil gewalttätige Demos für mehr öffentliche Investitionen. „Brot statt Spiele“ und „Schulen statt Stadien“ lauteten die Forderungen.

Für Unmut sorgen vor allem die Fußball-Arenen. Der Weltfußballverband Fifa hatte mindestens acht Spielorte für die WM gefordert – zwölf sind es geworden. Die Kosten für Neubauten und Modernisierungen summieren sich auf 3 Milliarden Euro. Dabei fehlen in vier Städten Profi-Teams, die die Ränge nach der WM füllen werden. Die Arenen dort drohen zu „weißen Elefanten“ zu verkommen– zu nutzlosen Investitionsruinen.

„Diesen Stadionbau versteht natürlich niemand“, stellt Ökonom Vöpel klar. Aber Geld für Flughäfen auszugeben, für Straßen und den öffentlichen Nahverkehr, das sei richtig gewesen: „Vieles davon hätte ohnehin irgendwann gebaut werden müssen. Das wurde nun ein wenig vorgezogen.“

Dazu muss man wissen: Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 1,6 Billionen Euro belegt Brasilien Rang sechs in der Welt, bewegt sich größenmäßig immerhin auf dem Niveau von Frankreich. Und im Vergleich zu dem, was Staat und Wirtschaft in Brasilien insgesamt investieren, sind die WM-Ausgaben nur Peanuts. Über fünf Jahre betrachtet sind es 0,7 Prozent, so eine Rechnung der amerikanischen Rating-Agentur Moody’s.

Kurzfristig, so erwartet Ökonom Vöpel, wird Brasilien für das Turnier draufzahlen: „Eine halbe Million WM-Touristen bringt zwar ordentlich Geld ins Land. Aber damit allein holt man die Investitionen auf keinen Fall wieder rein.“

Schöne Bilder müssen es rausreißen. Der Auftritt im Scheinwerferlicht kann aber auch nach hinten losgehen – etwa wenn während der Spiele wieder Unruhen ausbrechen würden. „Geht irgendetwas schief“, so Vöpel, „kann die WM für Brasilien einen großen Imageschaden bedeuten.“


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