Wohnungsmarkt in Deutschland

Warum die Mieten insgesamt eigentlich stabil sind

Leben mit Balkon: In den attraktiven Ballungsräumen wird das für Neumieter teurer. Foto: Plainpicture

Berlin. Der Immobilienmarkt in den großen Städten brummt. Was Vermieter freut, ist für Wohnungssuchende ein Schrecken: Aufschläge von 25 Prozent mussten sie in den letzten fünf Jahren bei Neuvermietungen in Berlin, Frankfurt, Stuttgart oder München hinnehmen. Wird Wohnen in Deutschland unerschwinglich?

„Nein“, sagt Professor Harald Simons vom Berliner Beratungsunternehmen Empirica. „Im Bundesdurchschnitt steigen die Mieten nicht wirklich.“ Laut Statistischem Bundesamt erhöhten sie sich deutschlandweit von September 2010 bis September 2015 insgesamt nur um 6,7 Prozent, während die Verbraucherpreise allgemein in dieser Zeit um 6,9 Prozent zulegten. Die Statistiker erfassen dafür die Daten von rund 20.000 Wohnungen.

Die Ursachen der unterschiedlichen Preisentwicklung erklärt Wohnimmobilien-Experte Simons so: „Stark steigen die Mieten nur in etwa 30 Großstädten, die bei jungen Leuten sehr begehrt sind. Die 25- bis 30-Jährigen ziehen in diese Schwarmstädte, weil sie dort Gleichaltrige treffen und es eine lebendige Szene mit trendigen Kneipen, Klubs und Kinos gibt.“ Hamburg und Köln zählen dazu sowie Münster und Heidelberg. Berlin gewinnt jedes Jahr 40.000 Neubürger. Leipzig wuchs seit 2010 um ein Zehntel auf 500.000 Einwohner.

„Entscheidend ist das urbane Umfeld“, sagt Simons. „Arbeitsplätze sind weniger ausschlaggebend, sie müssen nur erreichbar sein.“ So pendeln manche Neu-Leipziger zur Arbeit nach Dessau und Merseburg. Oder Kölner mit dem ICE nach Montabaur in Rheinland-Pfalz. „In kleineren Städten und auf dem platten Land nehmen die Mieten für Neuverträge kaum zu oder stagnieren sogar“, so Simons. Auch in Remscheid, Kassel oder Pirmasens sei das so, im gesamten Ruhrgebiet und in manchen ostdeutschen Städten.

Noch besser sehe es für Bundesbürger mit Altverträgen aus, berichtet Axel Gedaschko, Präsident des immobilienwirtschaftlichen Verbands GdW. „Das sind immerhin 90 Prozent der Mieter. Sie profitieren von einer extrem moderaten Entwicklung.“ Denn die Bestandsmieten erhöhten sich seit Anfang 2005 nur um 4,3 Prozent. Zum Vergleich: Die Verbraucherpreise kletterten in dieser Zeit um rund 16 Prozent.

Auch wenn sich der Mietanstieg in den beliebten Großstädten aktuell beruhigt – noch gibt es zu wenig Entlastung durch den Neubau, kritisiert Gedaschko. „Statt 245.000 fertigen Wohnungen wie im letzten Jahr brauchen wir etwa 400.000. Und das Jahr für Jahr – bis 2020!“

Denn Deutschland wächst wegen der Zuwanderer. Nur ein Teil von ihnen wird aufs Land ziehen wollen, wo zurzeit über eine Million Wohnungen leer stehen. Gedaschko: „Der deutsche Wohnungsmarkt bleibt auch in Zukunft gespalten.“


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Wo ist Wohnen extrem teuer? Und wo sehr billig? AKTIV zeigt hier ein Ranking mit den 20 Top- und den 20 Flop-Städten und -Kreisen. Die Preise basieren auf dem Marktmonitor des Forschungsinstituts F+B in Hamburg.

Obwohl die Immobilienpreise seit Jahren kräftig steigen: Vielerorts ist es immer noch sinnvoll, in ein Haus oder eine Wohnung zu investieren. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat errechnet, wie stark die Selbstnutzerkosten von den Mieten abweichen.

Normalerweise ist er die größte Anschaffung des Lebens: der Kauf einer eigenen Immobilie. Es gilt also, sich vor dem Gang zum Notar so gut wie nur irgend möglich zu informieren – sowohl, was das Objekt selbst und seine Lage betrifft, als auch über die Baufinanzierung.

aktualisiert am 27.09.2017

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